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Autor Thema: "Akademisierungswahn"  (Gelesen 5363 mal)
0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.
Sumpfhuhn

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Beiträge: 1.632


« am: 27.12.2013 12:02:43 »

"Akademisierungswahn". Wer hätte mit sowas in dem Ausmaß 2000 gerechnet? Ich nicht.

Jedoch fühle ich persönlich mich durch den Akademisierungswahn sehr gut unterhalten. Abitur ist schon seit geraumer Zeit nix mehr Wert. Jetzt ist auch ein Hochschulabschluß nix mehr wert.
Jemand mit Hauptschulabschluß kann ne Lehre machen, die gut abschließen und dann direkt (in seinem Fachgebiet) studieren. Das ist doch super! Denn entscheidend sind jetzt weniger irgendwelche papierellen Zugangsvoraussetzungen, sondern die eigene Qualifikation. Das das Anforderungsniveau generell egal wo im Bildungsbetrieb radikal gesunken ist, ist doch ok. Qualifikation und Kompetenz setzen sich letztlich trotzdem weiterhin durch. Die Verdienstaussichten sind geringer, klar. Aber als abhängig Beschäftigter war man eh noch niemals mehr als "Handlanger".

Und zweifelsohne gibt es immer noch viele Leute, die etwas können, was die meisten anderen nicht können. Und die werden global gesucht und global gut bezahlt.
Die Weltkriegswiederaufbauparty in Europa und insbesondere in Deutschland ist halt vorbei. Vermögensaufbau durch abhängige Beschäftigung ist jetzt wieder die Ausnahme. Aber noch gibt es genug Eltern, die ihre (erwachsenen) Kinder bezuschussen können und es gibt auch noch genug zu erben. Und solange das so ist, brennt auch noch nicht die Luft.

Der Unterhaltungswert des Akademisierungswahns wird auch die nächsten Jahre noch sehr hoch sein, was doch ganz nett ist  Very Happy



« Letzte Änderung: 27.12.2013 12:08:37 von Sumpfhuhn » Gespeichert
Midori

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Beiträge: 2.225


Kaiser Willhelm I.


« am: 27.12.2013 18:44:43 »

Die freie Berufswahl ist ein Grundrecht der Menschen, daher darf und kann sie nicht eingeschränkt werden. Ausserdem kann man Quoten sowieso nur durchsetzen, wenn es so etwas wie zentrale Steuerung gibt, oder nur wenige Ausbildungsstätten, wie z.B. bei der universitären Ausbildung, wo die Anzahl der Studienplätze natürlich direkt auf die Zahl der Studienabgänger rückwirkt.
Wie soll das aber im Handel funktionieren? Es gibt alleine im kleinen Österreich 22 Universitäten, aber ganze 74.800 Handelsunternehmen....du erkennst sicher das Dilemma.
Es gibt nunmal das Problem, und das nichtmal neu sondern seit Jahrzehnten, dass gewisse Berufe eine richtige Schwemme erleben. Gerade in den klassischen "Frauenberufen" Sekretärin, Verkäuferin und Friseuse, hat das jahrzehntelange Tradition. Der unregulierte Arbeitsmarkt unterliegt aber ähnlichen Gesetzen wie der freie Markt, bei Überangebot verfällt der Preis, während er bei Mangel steigt. Die überlaufenen Berufsausbildungen, und die eher einfachen Tätigkeiten die schnell und problemlos ersetzt werden können, sind daher meist die schlecht bezahlten.

Also entweder man braucht im Einzelhandel eine Ausbildung für diese tätigkeit oder nicht.
Nochmal: wenn diese Tätigkeit in 90% der Fälle durch ungelernte Kräfte gemacht werden kann, dann muss sich was am system ändern. Es muss dann ne Abgrenzung zwischen gelernte und ungelernt geben, damit die Gewerkschaft für die ungelernten Kräfte einspringen kann.
Jetzige Situation im Einzelhandel ist so, als wenn z.B. im Callcenter jeder ein Supervisor ist und danach bezahlt werden muss.
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DerBademeister

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Beiträge: 953

Inaktiv


WWW
« am: 28.12.2013 18:04:26 »

Tjoa "Vollbeschäftigung" wird es nicht mehr geben (können), es sei denn es werden künstlich Arbeitsplätze geschaffen!

die WHO hatte mal einen Bericht erstellt, in dem bis zum Jahr 2050 berechnet wurde, dass nur noch 25 % der Weltbevölkerung für die Erbringung der Industrie- und Dienstleistungen benötigt werden...

In Deutschland sieht es doch so aus:

Da gehen die älteren Arbeitnehmer in Rente und es wird kein Ersatz geschaffen.

Diejenigen, die noch arbeiten müssen/dürfen/wollen, arbeiten oft an der Grenze der Belastbarkeit und darüber hinaus.

Es spricht ja schon für sich, wenn  die Anzahl der "normalen" Arbeitsstunden und die Überstunden weit auweinander klaffen. Muss man ja nur mal in die Betriebe reingehen und rumfragen; 500+ Überstunden bei einer 40 h-Woche sind mehr die Regel als die Ausnahme... Von "Abbumeln" oder gar Bezahlen redet da natürlich keiner, da der Arbeitgeber einfach mit der Angst der Arbeitnehmer spielt...

Keynes prognostizierte eine 15 Stunden Woche für die heutige Zeit, er tat das im Jahr 1930. Seine Vorhersage war sehr viel präziser als man auf den ersten Blick meinen könnte, denn effektiv gearbeitet wird in der arbeitsfähigen Bevölkerung Heute tatsächlich nicht mehr als 15 Stunden die Woche. In diesen 15 Stunden wird das zehnfache Bruttosozialprodukt von Keynes Zeiten erwirtschaftet - mit weniger als der Hälfte der Mannstunden. Warum sitzen dann viele von uns, anders als Keynes prognostizierte, immer noch 40, 50 Stunden und mehr im Büro herum, obwohl die Arbeitsabläufe in den letzten 80 Jahren so viel effektiver und produktiver geworden sind?

Weil dieses kapitalistische Wirtschaftssystem in dem eine steile Progression von Vermögensansammlung stattfindet (je reicher, desto schneller das Anwachsen des Reichtums - Zinseszinseffekt) nur funktioniert wenn die breite Masse an Menschen beschäftigt gehalten wird. In einem hierarchischen top-down System der Machtverteilung muss die wahre Freiheit - die freie Verfügbarkeit über die eigene Lebenszeit - auf Gedeih und Verderb das Privileg einer kleiner Oberschicht bleiben. Freie Menschen mit freier Zeit kommen auf gefährliche Gedanken. Hier wird das in einem guten Artikel näher erläutert:
http://www.strikemag.org/unsinniger-jobs/

Dieses System funktioniert bereits Heute mehr schlecht als Recht - man denke nur an die 50-60 % Jugendarbeitslosigkeit in Ländern wie Spanien und Griechenland, ein gigantischer Pool wütender, hoffnungsloser, perspektivloser Menschen die für soziale Unruhen und Revolution in den Startlöchern stehen und nur auf den Funken warten der das morsche Gemäuer entzündet. Es ist ein System das mit jedem Jahr Produktionsfortschritt und Automatisierung instabiler werden wird. Es werden zwar laufend neue bullshit jobs generiert, aber diese können nicht annähernd die Vollzeitarbeitsplätze ersetzen welche durch Automatisierung und andere Effizienzssteigerungen vernichtet werden.

Ich hege keinen Zweifel daran dass wir noch zu unseren Lebzeiten den Zusammenbruch dieses bräsig-gemütlichen, leidlich Massenwohlstand generierenden Wirtschaftssystems erleben werden, welches unsere Großeltern und Urgroßeltern nach dem Krieg hier erschaffen haben. Den meisten Politikern ist das egal, das sind Menschen über 50 die ihr ganzes Leben an der Zitze dieses Systems gesaugt haben und einen gut bezahlten und von uns finanzierten Ruhestand verleben werden bevor das Ende dieses Systems kommt. Uns wird dieses Glück nicht zuteil werden. Für uns wird es einen Ruhestand in dieser Form mit einer sicheren staatlichen Rente oder Pension nicht mehr geben, ebensowenig wie stabile, lebenslange Erwerbsbiografien.

Mir ist keine Partei bekannt die sich ernsthaft mit dieser Zukunft auseinandersetzt. Bei Union, FDP, Grünen und SPD wird diese Frage völlig ignoriert, weil diesen fünf Regierungsparteien bewusst ist dass mit einer solchen Diskussion implizit die Systemfrage verbunden ist - und das System will niemand von denen zur Disposition stellen. Zaghafte Überlegungen gibt es allenfalls bei den Linken mit ihrer 70er Jahre Willy Brandt-Programmatik und den Piraten mit dem bedingungslosen Grundeinkommen. Das ist ein Anfang, aber diese beiden Parteien sind derzeit keine Player in der politischen Arena und somit nicht mehr als machtlose Grüßauguste.

Die Wähler unterscheiden sich hier kein bischen von ihren Volksvertretern, sie wollen sich ebensowenig mit diesen Problemen auseinandersetzen. Sie wollen in Ruhe gelassen, in ihrer inneren Emigration belassen werden - und dafür ist Angela Merkel und eine große Koalition die beste Umsetzung des Willens den sich 90 % unserer Mitbürger nur wünschen können, ob ihnen das selbst so konkret bewusst ist, oder nicht.
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