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Autor Thema: "Akademisierungswahn"  (Gelesen 4938 mal)
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Havoc

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IW-Renter


« am: 23.12.2013 00:47:20 »

Respekt das du bei dem "Lohn" noch arbeiten gehst.
Darf man fragen was du gelernt hast?

Zum Thema:
Lasst das studieren. Geht einfach arbeiten  Very Happy
Man kann auch ohne guten Schulabschluss ordentlich verdienen.
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Midori

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Kaiser Willhelm I.


« am: 23.12.2013 02:55:56 »

2 jahre technische assistenz informatik.

Aber ich sollte langsam in dem Bereich kommen wo ich ein Portfollio an Skills/Kompetenzen und Erfahrung angehäuft habe um einen besseren Job zu ergattern. Hier in der Provinz bräuchte ich wahrscheinlich nur den Namen der Technologiefirma erwähnen bei der ich (für die ich....) 4 Jahre Plus gearbeitet habe und würde nen Job kriegen. wird wohl aber nicht viele interessieren, dass ich mehrere Jahre technisches Business englisch mit Partnern Weltweit gesprochen habe.
Das ist doch die ganze krux an der sache. Ich krieg genausoviel wie meine Kollegen einen Stock weiter oben die für nen ISP callen oder die bestellungen für ein Warenlogistikunternehmen annehmen.....

Wenn Leute darüber reden, dass Callcenter die Hölle ist, dann meinen sie meistens nicht idiotische und agressive Kunden. Kleines Geheimnis: die Mute-taste und der Lautsprecher sind die Lieblingstasten eines Agents um sich den Tag zu versüßen.
Nein, es ist die perspektivlosigkeit und die Strukturen, die Administrative Arbeit vor technischem Skill stellt. ich werde nicht anders bezahlt wie der störungsagent oben beim ISP oder unsere eigene Routingabteilung die die Kunden vorscreent. Aber nen beschissener SOFTSKILLTRAINER ist über mir gestellt, ne verfuckte Grinsebacke die den Agents erklären soll, dass man den kunden 3 mal namentlich ansprechen soll und das eigentlich kein hauptwort ist.


Wo waren wir? Achja Akademisierungswahn.
Eigentlich wäre es die gesellschaftliche Aufgabe von dem Technologieunternehmen, diesen Job den ich mache, einer qualifizierten und gut bezahlten Person zu übergeben. (das könnte man für jeden outgesourcten job sagen, bleiben wir aber mal bei jobs die sehr spezialisiert sind. Und 2 Personen im deutschsprachigen Raum passen in das Schema denke ich.)
Sie bezahlen aber ein Subunternehmen (callcenter X) die die dafür benötigten personen zur Verfügung steht. Höchstwahrscheinlich auch noch weitaus mehr als sie für die jeweilige person selber bezahlen müssten. Und das ist das Problem. Das Techunternehmen wäre an den mitarbeiter gebunden. Das Callcenter kann einfach eine x-beliebige person die die Anforderungen erfüllt daran setzen. Und wenn der rummuckt, dann geht er halt in ein anderes projekt oder fliegt gleich raus. Das Techunternehmen hat seine beiden Mitarbeiter die es für die eigenen internen Anforderungen braucht, muss sich aber nicht mit Personalien rumschlagen. Das Callcenter kriegt die dicke Kohle und muss nur hoffen, dass ihnen die Mitarbeiter nicht ausgehen. (Und das wird immer realisitischer, auch wenn es sich komisch anhört in der Callcenter branche, aber für dieses projekt hier kriegen wir keine guten Mitarbeiter mehr. Die neuen Leute erfordern seit 3 jahren schon nicht mehr die Mindestvoraussetzungen, die das Techunternehmen eigentlich an die Mitarbeiter stellt. der letzte schwung war aus technischer Kompetenz-sicht eine Katastrophe)
*schulterzuck* wenn unsere gegend hier abgeschöpft ist, dann transferiert unserer glorreicher internationaler Callcenter-Konzern das Projekt halt zu einem der anderen Standorte in Deutschland. Wir können froh sein, dass Deutschland keine bleibenden kolonien hatte, sonst würde die ganze Callcenterbranche für deutschland irgendwo im Kongo sein.

Endsatz: Es ist derzeit eigentlich scheißegal was man macht, man wird von oben beschissen. Outsourcing in die callcenter und enorme Anforderungen an stinknormale Jobs. es bleibt nichts in der mitte. 
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Kelly
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PinguinPrinzessin


« am: 25.12.2013 09:15:58 »

Von wegen nicht genug Ausbildungsplätze:
Es gibt auch genug Berufe, wo nicht genug Auszubildene sind.

Ich jobbe ja im Altenheim und wir haben dieses Jahr nur eine neue Azubi (und die hat vorher schon Pflegehelfer gemacht gehabt und war schon 3 Jahre bei uns im Haus, bevor sie beschlossen hat examinierte werden zu wollen) in der Pflege.
In sämtlichen Häusern in der Umgebung sieht das ähnlich aus. Ausserdem suchen wir dringend ne Fachkraft und 2-3 Hilfskräfte. Wir haben zwar jedes Jahr eine FSJ-lerin seit ich da bin, aber wir haben dies Jahr gerne 2 haben wollen, gibt es nicht.
Und Zivis sind halt auch keine mehr da.

D.h. Leute, die sich das ein Jahr lang anschauen und danach ggf. die Ausbildung machen sind halt auch weniger geworden. Und die meisten Fachkräfte gehen in 5-10 Jahren in Rente. Und von denen, die momentan die Ausbildung machen sind viele mit der Ambition nach der Ausbildung nicht zu arbeiten sondern Pflege- oder Wundmanagement zu studieren. Auch überproportional zu den Jobs in dem Bereich. Und in der Pflege fehlen die Leute.

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Sauron
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« am: 25.12.2013 10:12:50 »

Wenn man sich die Bezahlung in dem Bereich anschaut, ist das auch kein Wunder. Die Arbeitskräfterettung liegt im Osten. Selbst aus Vietnam werden Leute rangekarrt.
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DerBademeister

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Inaktiv


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« am: 25.12.2013 18:23:46 »

"Fachkräftemangel!" zu krähen ist eben billiger als selbst Leute auszubilden und ihnen anschließend ein Gehalt zu zahlen von dem man sich ein Leben und eine Familie aufbauen kann. Einen "Fachkräftemangel" der den Zuzug von Nicht-EU-Ausländern (denn in der EU gilt bereits Freizügigkeit) erforderlich macht gibt es nicht - hier geht es nur darum, durch billige Arbeitskräfte aus Zweit- und Drittweltländern das allgemeine Gehaltsniveau noch weiter abzusenken (Deutschland ist bereits Schlusslicht der OECD bei der Lohnentwicklung). Auch die Armutsmigration aus EU-Problemstaaten ist von der Industrie durchaus gewünscht um die heimische Arbeitnehmerschaft unter Druck zu setzen.

Nur jeder fünfte Betrieb bildet aus und Viele davon unter dem eigenen Bedarf - jedes Jahr finden zehntausende Jugendliche keine Lehrstelle. Neun Millionen arbeitsfähige Bürger - das sind zwanzig Prozent der Bevölkerung im Erwerbsfähigen Alter - sind arbeitslos oder unterbeschäftigt. Der "Fachkräftemangel" existiert - in den Hirnen unSinniger Professoren und gewiefter BDI-Funktionäre. In der Realität gibt es einen massiven Mangel an vernünftig bezahlten und mit ausreichend Wochenstunden ausgestatteten Arbeitsplätzen. So sind zwar offiziell zwei Millionen Arbeitslose weniger in der Statistik als zur Jahrtausendwende, das Arbeitsvolumen hat aber nicht zugenommen. Es wurden also keine neuen Arbeitsplätze geschaffen sondern lediglich die damals existierenden Arbeitsplätze auf mehr Menschen aufgeteilt, zum Beispiel durch Ausweitung der Minijobs und Teilzeitarbeitsverhältnisse. Leben kann von diesen Jobs niemand. Die Zeche um diese Millionen Mitbürger auf das Existenzminimum zu hieven begleicht der Steuerzahler.

@Midori: Bei Deinen Qualifikationen würdest Du dort wo mein Bruder arbeitet (Großraum San Francisco / San Jose) mit 50.000 Dollar einsteigen. Selbst wenn man die höheren Lebenserhaltungskosten berücksichtigt, wirst Du dort weit mehr netto nach Hause tragen als hier. Mit Programmierkenntnissen ist auch deutlich mehr drin.
« Letzte Änderung: 25.12.2013 18:33:55 von DerBademeister » Gespeichert

Sauron
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« am: 25.12.2013 19:29:34 »

San Francisco ist ein sehr teures Pflaster, da wird von den 50k nicht viel bleiben. Da sähe San Diego besser aus. Allerdings sollte man erst austesten, ob Amiland zum Arbeiten was für einen ist.
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DerBademeister

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Inaktiv


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« am: 25.12.2013 21:11:01 »

Weshalb viele Leute die dort arbeiten in San Diego oder Oakland leben, so wie es in Deutschland nicht viel anders ist. Die Pendelei aus dem Umland wird hier in München für Arbeitnehmer immer mehr zur Regel, da die Stadt für Mittelklasse-Familien unbezahlbar wird dank der Mietpreissteigerungen (20 Euro Miete pro qm). Die Bay Area hat immerhin den großen Vorteil eines tauglichen ÖPNV, anders als viele andere Metropolregionen der USA. Ich kenne San Diego nicht, aber Los Angeles ist in der Beziehung zum Beispiel der absolute Alptraum, in diesem heißen, stickigen Moloch möchte ich nicht leben.

Wenn man nicht gerade im öffentlichen Dienst, Beamter oder Lebenszeit-Angestellter bei einer Versicherung oder Bank ist, hat sich unsere Arbeitskultur mittlerweile den USA doch stark angenähert ("hire and fire"), so dass die Argumente pro Deutschland (günstigere KV, besserer Kündigungsschutz, mehr Urlaub etc.) Heute lange nicht mehr so gewichtig das niedrigere Lohnniveau rechtfertigen wie noch in den 90ern.

Ich berichte davon auch nur, weil viele Menschen die beruflich nicht aus der Blase Deutschland hinauskommen gar nicht merken was für ein irres Niedriglohnland Deutschland in den letzten zwanzig Jahren geworden ist. Gerade in den qualifizierten Berufen. Nicht nur in Bezug auf die fernen USA, sondern auch auf unsere direkten Nachbarländer wie die Schweiz, Skandinavien, Luxemburg, Belgien, ja selbst Frankreich. Jeder von uns müsste im Schnitt 20 % mehr Lohn und Gehalt bekommen gemessen an unserer Produktivität. Das kann keiner von uns kleinen Mittelschichtbürgern erzwingen, denn die Regeln werden in anderen Sphären unserer Gesellschaft gemacht - doch Auswanderung ist eine Option die für viele Normalbürger durchaus Sinn macht und gerade bevor man Frau und Kinder hat eine ernsthafte Überlegung wert ist. Dass Viele diese Überlegungen anstellen belegt schließlich auch die wachsende Zahl an Auswanderern und der große Anteil deutscher Fachkräfte in unseren Nachbarländern. Übrigens nicht nur Akademiker, wie dieser interessanter Beitrag des Schweizer Fernsehens über eine eingewanderte deutsche Busfahrerin zeigt.
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Sauron
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« am: 25.12.2013 23:27:00 »

Ich meine nicht Kündigungsschutz oder Urlaub bezüglich arbeiten in den USA. Es ist halt immer was anderes, ob man in einem Land lebt und arbeitet oder Urlaub macht. Manches ist da noch recht rückständig, Zahlungsverkehr abseits der Kreditkarten z.B. aber das wäre ein anderes Thema.

Und niemand wird von San Diego aus in San Francisco arbeiten, das sind mit dem Auto ca. 8.5h (eine Strecke), die Tesla Schnellbahn existiert noch nicht.
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Midori

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Kaiser Willhelm I.


« am: 26.12.2013 01:04:54 »

USA fällt eigentlich flach

und ausland wäre kein problem wenn ich nicht soviel angst vor diesem schritt hätte. Ich könnte von heute auf morgen bei Riot games in Irland anfangen ("LoL" Kundenbetreuung) und weiß ungefähr auch wieviel besser die da bezahlt werden. Gildenkollege arbeitet da. Ich arbeite ja darauf hin, dass ich direkt von meiner techfirma irgendwann übernommen werden kann, das gibt es schon püositive beispiele in der vergangenheit.
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skeletton

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« am: 26.12.2013 09:44:45 »

Preludium:

Nachdem ich es nun doch geschafft habe meinen Master of Science als Ingenieur zu erhalten, klingeln mir nach 2 "Nachrufe" aus meinem allerersten Semester in den Ohren:

Nachfolgend mal 2 "O-Töne" von etwas betagten Professoren:

1. Einstiegsgehalt für Ingenieure: Wir sollten mit nicht weniger als 4.000 € zu frieden sein

2. Im Öffentlichen Tarif sollten wir nicht unter Tarifgruppe 13(im weiteren Verlauf des Studiums auf 12 korregiert) beginnen

Tjoa meine Annmerkung dazu:

Wunsch und Wirklichkeit...


Hauptteil:

Warum sollte eigentlich noch jemand in Deutschland arbeiten (wollen)?

Nach einem Bericht von Plusminus, bzw. Frontal oder Report, muss ich gestehen mir fällt dazu keine befriedigende Antwort (mehr) ein.

In dem Bericht wurde von einem Arbeitnehmer berichtet, welcher nach 40 jähriger Betriebszugehörigkeit auf ein Nettogehalt von 2.500 € kam; so zumindest in der "öffentlichen Renteninformation". Dann wurde von einem Experten in diesem Fall vorgerechnet, dass seine Rente mit rund 950 € knapp über der Grundsicherung liegen würde.

Heißt also:

Jemand der in Deutschland sein ganzes Leben ohne Unterbrechung gearbeitet hat (wer hat denn heute noch solch ein Glück?) bekommt am Ende nicht wesentlich mehr Rente als jemand, der nie in die Rentenkasse eingezhalt hat(!).

Das muss man mal kurz sacken lassen...


Okay, ich für meinen Fall hatte dann im weiteren "Jobfindungsprozess" auch das ein oder andere Vorstellungsgespräch (ist ja nicht selbstverständlich, oft erhält man nicht mal eine Standardemail, ob die Bewerbung üerhaupt eingegangen ist). Im Zuge dessen kam es natürlich auch immer zu Fragen des Gehalts.

Ich wollte bei einer 40 Stundenwoche und 160 Stunden pro Monat ein Bruttogehalt von 3.000 € haben(man muss ja auch Bafög, Studienkredit etc.. zurückzahlen). Fakt ist, dass wurde mir bis auf 2 Ausnahmen verwährt. Das niedrigste Gehalt lag bei 2.250 € (und das war nichtmal im Osten Deutschlands).

Einem Freund von mir wurde als Buchhalter ein Bruttogehalt von 1.400 €/M genannt (ja richtig gelesen BRUTTO!).

Also auch ich kann bestätigen:

Deutschland ist nicht auf dem Weg in das "Armenhaus" Europa, es ist, zumindest lohntechnisch, bereits dort angekommen:

1. So niedrige Löhne für mehr oder weniger geringqualifizierte bedeuten eine doppelte "Subvention":

   A) als "Aufstockung", während des Arbeitslebens, da der Lohn nicht zum Leben reicht
   B) im Rentenalter bis zum Erreichen der Grundsichrung, da die Altersarmut aufgrund Niedrig- und Minijobs in den         kommenden Jahren ansteigen wird


2. Niedrige Löhne auch für Hochschulabsolventen durch:

  A) "Verkürzung" der universitären Ausbildung mit Einführung des Bachelor- und Mastersystems
  B) Bewusste Falschmeldungen im Bereich der Fachkräfte => mehr Uniabsolventen => sinkende Löhne & geringeres Arbeitsplatzangebot
  C) Gewünschter Zuzug von "Fachkräften" aus EU- und Nicht-Eu-Ländern => Dompinglöhne auch bei den Hochschulabsolventen
   D) Ausufern von Leih-, Zeit- und Werkverträgen auch und gerade bei Ingenieuren (z.T. verdienen diese für die gleiche Arbeit 80 %(!) weniger als festangestellte Ingenieure)


3. Meine Generation soll:

  A) die getätigten Erhöhungen in den Renten schultern können (ja wovon denn eigentlich?)
  B) 100 % flexibel sein ( Stichwort: Vierteljahresverträge)
  C) die stark gestiegenen Mieten bezahlen (als Berufseinstieger ist es in den großen Ballungsräumen praktisch unmöglich mehr als 1/1,5 -Zimmer zu bezahlen)
   D) anstelle einer 40h-Woche 50h+ arbeiten, bei gleichem Gehalt
   E) für die eigene Rente vorsorgen (auch unmöglich, die Zinsen auf den Sparbüchern werden von der Inflation gleich aufgefressen => Realwert-Verlust)
   F) am besten bis 67 Jahre Vollzeit und ohne Unterbrechung arbeiten, von Rente für unsere Generation ist hier keine Rede mehr
   G) "Riester-Rente", ein Epic-Fail aufgrund der nachträglich eingeführten Besteuerung


4. Fazit:

- Die (alters)Armut in Deutschland wird sich bald gravierend auf den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft auswirken => Zukunft EU ungewiss
- Studieren lohnt sich schon aus rien finanziellen Gesichtspunkt längst nicht mehr (vollste Zustimmung meinen vorpostern)
- Die Politik könnte gegensteuern, will dies aber nicht => Man muss hier dann die Frage aufwerfen, ob die Politker nicht vorsätzlich und grobfahrlässig handeln(und zwar ALLE Parteien)
- auswandern aus Deutschland, kann nur derjenige, der auch etwas "Startkapital" erwirtschaften konnte => in Deutschland bleiben eigentlich nur noch diejenigen, die es sich nicht leisten zu können woanders hinzugehen:

Analogie zu Griechenland und deren Jugend?




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Midori

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Kaiser Willhelm I.


« am: 26.12.2013 14:57:55 »

ist ja nicht so, dass studieren meist nichts bringt, sondern auch ne ausbildung.

Wieder mal mein Beispiel mit Kaufland und meiner Schwester. Sie sagt, dass meistens keine Kaufleute Einzelhandel eingestellt werden, sondern ungelernte. Diese brauchen sie keinen Tariflohn zahlen. Und ehrlich gesagt ist ne ausbildung zum einzelhandelskaufmann auch mumpitz. was sollen die denn da lernen? Das macht nur sinn, wenn es ne quote im Einzelhandel geben würde. Ansonsten klappt es ja im Einzelhandel ja auch mit ungelernten Leuten.

Irgend so einer von der BA sagte ja letztens dass es beim Mindestlohn ausnahmen für junge leute geben muss. Ansonsten gebe es keinen Anreiz eine Ausbildung anzufangen. Genau, wie wäre es mal mit dem Anreiz, dass man dann auch für den tariflohn übernommen wird? Anstatt dem gelernten Bäcker in den Einzelhandel zu stecken und den gelernten Kaufmann in die Bäckerei?
Da kann ich die jungen leute verstehen die gleich für den Mindestlohn beim Callcenter arbeiten gehen. 1000 netto hört sich besser an als 400 netto für 3 jahre in der Ausbildung.
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Ahab

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Kapteyns Stern


« am: 26.12.2013 16:52:42 »

Midori, um eine Wurstsemmel zu verkaufen, oder ein T-Shirt, ist nicht unbedingt eine Ausbildung von Nöten. Auch bei uns in Ö, werden im Einzelhandel zum größten Teil ungelernte Frauen eingesetzt, um die Regale zu befüllen, auch um Wurstsemmeln oder Leberkäsesemmeln in der Feinkostabteilung zu basteln.
Schwierig wirds dann aber bei den höheren Aufgaben, dafür werden dann schon eher gelernte Fachkräfte eingesetzt. Z.B. ist ein Teil der Ausbildung im Einzelhandel der Warenkunde gewidmet, wo man über seine Produkte viel lernt, um die Kunden besser beraten zu können, aber auch um seine Waren fachgerecht zu behandeln. Aber der Großteil der Ausbildung ist eigentlich nicht nur Ausbildung, sondern eher Vorbereitung, um selbst eine Abteilung, Filiale oder gar Geschäft zu führen, mit allem was dazu gehört. Nach Abschluß hat man das gesamte theoretische Rüstzeug mitbekommen, um selbst ein Geschäft leiten zu können, die Praxis kann man sowieso erst draussen im Leben erlernen.
Eine klassische Supermarktfiliale in Ö, z.B. des Rewe oder Spar Konzern setzt sich aus 10-20 Beschäftigten zusammen. Davon sind in der Regel mindestens 3 gelernte Fachkräfte; die/der Fleischer muß eine gelernte Fachkraft sein, wenn der Markt Frischfleisch anbietet, sowie die/der FlilialleiterIn und die/der FilialleiterstellvertreterIn, das ist wiederum Grundvoraussetzung um selbst Lehrlinge/Azubis aufnehmen und ausbilden zu dürfen. Der Rest ist meistens angelerntes Hilfspersonal in Teilzeitbeschäftigung, 10-30 Stunden Woche. Diese haben aber natürlich keinerlei Aufstiegchancen, weil ja da wiederum die Ausbildung von Nöten ist.
Als Mann einer Handelskauffrau, sowie als Regionsvorsitzender der Fachgewerkschaft der auch die Arbeiterschaft des Handels angehört, musste ich hier richtig stellen.
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Midori

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Kaiser Willhelm I.


« am: 26.12.2013 18:41:24 »

Hab nie behauptet, dass in diesen jobs eine Ausbildung sein MUSS. Das ist es ja. Das System heuchelt unseren Absolventen vor, dass es ohne Ausbildung nicht geht. Aber dass von den 100 Kauffrauen im Einzelhandel wirklich nur 10 gebraucht werden, das kriegen sie erst mit, wenn sie eine Stelle antreten möchten. Dann kriegen sie zu hören, dass man sie gar nicht einstellen kann, weil man sie nach tarif bezahlen müsste. Wenn ein filialleiter vor der Wahl steht eine Frau einzustellen die genau für diesen Job die Ausbildung hatte, oder eine ungelernte kraft, dann nimmt sie die ungelernte Kraft, weil sie weniger kostet und das gleiche kann wie eine gelernte Kraft.
Für die Dinge für die man dann eine gelernte Kraft braucht, setzt man die eine von zehn Mitarbeiterin ein, die das gelernt hat.
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wa-na-ka
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« am: 26.12.2013 19:16:30 »

Weil wir das gestern (mit einem Lehrer) geguckt haben: Klick mich!

Passt irgendwie gerade zur Diskussion, auch wenn es schon ein bissl aelter ist.
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Ahab

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Kapteyns Stern


« am: 26.12.2013 19:49:16 »

Nun, ein Tarifvertrag, bei uns eigentlich (Branchen)Kollektivvertrag genannt, ist aber bitter nötig, um eine auch nur halbwegs gerechte Bezahlung zu garantieren. Ein Kollektivvertrag regelt auch gemeinhin nur den branchenüblichen Mindestlohn, nach Verwendungsgruppe, Überzahlungen sind jedoch jederzeit erlaubt. Und natürlich soll sich neben anderen Kriterien wie Art, Schwere und Dauer der Tätigkeit, mögliche dauerhafte Gesundheitsbeeinträchtigung durch die Tätigkeit, erworbene Praxis, usw. usf. auch die nötige Ausbildung und Qualifikation im kollektivvertraglichen Gehalt wiederspiegeln.
Ich denke, es entspricht unser aller Gerechtigkeitssinn, dass wir stets darauf bedacht waren, dass qualifizierte Facharbeit besser bezahlt wird, als einfache Tätigkeiten, die keinerlei Qualifikation voraussetzen. Dass dies dann natürlich dazu führt, dass FacharbeiterInnen teurer sind, und die Wirtschaft dann oft übergeht sie nur dort einzusetzen, wo es wirklich unumgänglich ist, und überall anders lieber ungelerntes Personal greift, womöglich noch als atypisches Beschäftigungsverhältnis, ist natürlich ein Pferdefuss.
Aber bitte, sag mir doch die Lösung? Würdest du es als besser empfinden, wenn FacharbeiterInnen künftig das selbe verdienen, wie ihre ungelernten Kollegen? Oder gar weniger, um eine quasi Beschäftigungsgarantie dafür zu haben?
Wenn wir Eines in den letzten Jahren gelernt haben, dann dass der Wettlauf der Lohnkostennivellierung nach unten, die ständigen Predigten gegenüber uns Gewerkschaften doch bei den Lohnverhandlungen Zurückhaltung zu üben, um den Wirtschaftsaufschwung ja nicht zu gefährden, und um Arbeitsplätze im Inland zu sichern, in den sicheren gesellschaftlichen Abgrund führen.
Hat es denn zur Vollbeschäftigung geführt? ... Nein, nur zu einem Mehr an Teilzeitbeschäftigung und atypischen Beschäftigungsverhältnissen, sowie zum Entstehen einer Working poor Klasse. Der gesetzliche Mindestlohn bei uns in Ö liegt mit 1000 Euro brutto, netto (819)nur knapp über dem errechneten Existenzminimum. Wenn man bedenkt, dass es sich bei diesen Arbeitsplätzen fast ausschliesslich um Dienstleistungsgewerbe handelt, also nicht nach Asien oder Südosteuropa auslagerbare Tätigkeiten, weil sie vor Ort erbracht werden müssen, bin ich sehr zuversichtlich, dass uns in diesem Bereich eine Steigerung von mindestens 25-30% gelingen wird, in den nächsten paar Jahren schon.
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Kaiser Willhelm I.


« am: 26.12.2013 22:18:16 »

Wenn zehntausende eine Ausbildung machen wobei skilltechnisch nur hunderte gebraucht werden, dann ist die Ausbildung sinnlos. Entweder man führt in dem Gewerbe eine Quote ein oder man definiert die Kauffrau einzelfachhandel neu. In die Bereiche wo man glernte Kräfte braucht und dann die Handlanger. Dann kann die Gewerkschaft auch Tarifverträge für gelernte Kräfte machen und einen seperaten Vertrag für Handlanger. was anderes darf der einzelhandel dann nicht einstellen.
Wenn deine Qualifizierung Gift für genau den Job ist, den du gelernt hast, dann läuft was falsch.

Vollbeschäftigung werden wir in 10-20 Jahren haben. die Babyboomer arbeiten nicht mehr lange. Der Nachbar meiner Eltern ist Berufsfeuerwehrmann, er ist mit 55 einer der jüngsten in der Station und er will mit 57 in Pension gehen. Er hat sich das ausgerechnet und das reicht ihm. (Kleine Anektdote dazu, den Fitnesstest würde Altersbedingt keiner seiner kollegen mehr schaffen.)
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Ahab

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Kapteyns Stern


« am: 27.12.2013 09:23:28 »

Die freie Berufswahl ist ein Grundrecht der Menschen, daher darf und kann sie nicht eingeschränkt werden. Ausserdem kann man Quoten sowieso nur durchsetzen, wenn es so etwas wie zentrale Steuerung gibt, oder nur wenige Ausbildungsstätten, wie z.B. bei der universitären Ausbildung, wo die Anzahl der Studienplätze natürlich direkt auf die Zahl der Studienabgänger rückwirkt.
Wie soll das aber im Handel funktionieren? Es gibt alleine im kleinen Österreich 22 Universitäten, aber ganze 74.800 Handelsunternehmen....du erkennst sicher das Dilemma.
Es gibt nunmal das Problem, und das nichtmal neu sondern seit Jahrzehnten, dass gewisse Berufe eine richtige Schwemme erleben. Gerade in den klassischen "Frauenberufen" Sekretärin, Verkäuferin und Friseuse, hat das jahrzehntelange Tradition. Der unregulierte Arbeitsmarkt unterliegt aber ähnlichen Gesetzen wie der freie Markt, bei Überangebot verfällt der Preis, während er bei Mangel steigt. Die überlaufenen Berufsausbildungen, und die eher einfachen Tätigkeiten die schnell und problemlos ersetzt werden können, sind daher meist die schlecht bezahlten.
Das "Gespenst" der Vollbeschäftigung wird oft an die Wand gemalt, besonders aus Deutschland höre ich das oft, die österreichische Industriellenvereinigung verwendet das nicht, einfach weil die weiß, dass wir nicht so naiv und dumm sind, jeden Blödsinn zu glauben. Ich gehe davon aus, dass der BdI keine so hohe Meinung von den deutschen Gewerkschaften hat.
Ja, die Anzahl der Werktätigen sinkt in Relation zur Gesamtpopulation, aber bislang wurde das, gerade in der Industrie, jedes Jahr aufs Neue durch Produktivitätssteigerungen und höheren Automatisierungsgrad egalisiert. Sollte aber mal wirklich absehbar sein, dass ein Mangel nur entstehen könnte, werden die momentan stark gedrosselten Schleusen der Zuwanderung und Armutsmigration wieder geöffnet, um Druck zu erzeugen im Arbeitsmarkt. Wurde schon immer so gemacht, und es wäre ausgesprochen naiv anzunehmen, dass dieses "probate" Mittel nicht wieder verwendet wird.
Ja, ich vertrete auch Berufsfeuerwehr, z.b. die Flughafenfeuerwehr. Leider geniessen diese Kollegen keinerlei Berufschutz bei uns, da Feuerwehrmann bei uns kein anerkannter Beruf ist, sondern nur eine Tätigkeit. Die Probleme der Berusfeuerwehr beginnt aber nicht erst mit Mitte 50, sondern meistens schon mit Mitte 40. Ab diesen Alter sind viele Männer der Feuerwehr körperlich nicht mehr fit genug, für die "Schwere Atemschutz Prüfung", und müssen in den erleichterten Dienst. Sozialrechtlich fallen diese auch bei uns in das "Nachtschwerarbeitergesetz", und dürfen auch früher in den Ruhestand. Um aber Rentenbezugsmäßig abschlagsfrei zu sein, benötigen auch diese 540 Versicherungsmonate, wovon mindestens 240 Monate, oder aber die letzten 120 Monate Versicherungszeit im Sinne des "Nachtschwerarbeitergesetz" sein müssen.
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skeletton

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« am: 27.12.2013 10:21:16 »

Tjoa "Vollbeschäftigung" wird es nicht mehr geben (können), es sei denn es werden künstlich Arbeitsplätze geschaffen!

die WHO hatte mal einen Bericht erstellt, in dem bis zum Jahr 2050 berechnet wurde, dass nur noch 25 % der Weltbevölkerung für die Erbringung der Industrie- und Dienstleistungen benötigt werden...

In Deutschland sieht es doch so aus:

Da gehen die älteren Arbeitnehmer in Rente und es wird kein Ersatz geschaffen.

Diejenigen, die noch arbeiten müssen/dürfen/wollen, arbeiten oft an der Grenze der Belastbarkeit und darüber hinaus.

Es spricht ja schon für sich, wenn  die Anzahl der "normalen" Arbeitsstunden und die Überstunden weit auweinander klaffen. Muss man ja nur mal in die Betriebe reingehen und rumfragen; 500+ Überstunden bei einer 40 h-Woche sind mehr die Regel als die Ausnahme... Von "Abbumeln" oder gar Bezahlen redet da natürlich keiner, da der Arbeitgeber einfach mit der Angst der Arbeitnehmer spielt...



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Alpha Centauri


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« am: 27.12.2013 11:17:17 »

500+ Überstunden bei einer 40 h-Woche sind mehr die Regel als die Ausnahme... Von "Abbumeln" oder gar Bezahlen redet da natürlich keiner, da der Arbeitgeber einfach mit der Angst der Arbeitnehmer spielt...

geht man halt früher in rente damit, da braucht man dann auch keine angst vorm arbeitgeber haben (braucht man auch so nicht, wenn man sich mit tarifverträgen und gesetzen auskennt) *g*
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Mehr Hass! Mehr Flame! Mehr Heulerei! Mehr... oh... Sonne. Macht mal weiter ich bräun mir den Schniedel.  Saufen
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Kapteyns Stern


« am: 27.12.2013 11:47:09 »


geht man halt früher in rente damit, da braucht man dann auch keine angst vorm arbeitgeber haben (braucht man auch so nicht, wenn man sich mit tarifverträgen und gesetzen auskennt) *g*

Diese Möglichkeit wurde ausgeschlossen, indem man die für den Rentenanspruch benötigte Versicherungszeit bei uns in Versicherungsmonaten misst, in Ö z.B. mindestens 540, die halt 45 Beitragsjahren entsprechen. Man kann eben nicht durch mehr Überstunden früher in Rente.
Es hilft nichtmal mehr einzahlen, da man bei ASVG Versicherten, also Arbeitern und Angestellten, nicht aber bei Beamten oder Politikern, eine Deckelung des maximal möglichen Rentenbezug eingezogen hat.
Es ist angedacht, sogenannte Lebensarbeitszeitmodelle zu entwerfen, die sind aber noch im äusserst frühen Frühstadium. Ein Versuchsballon dazu, ist die seit einigen Jahren bei uns erprobte Altersteilzeit, kurz ATZ. Die erfreut sich bei Arbeitnehmern gerade in Schwerarbeiterberufen großer Beliebtheit, und ermöglicht älteren AN, die letzten 10 Jahre ihres Berufsleben mit verminderter Arbeits-Stundenanzahl "ausklingen" zu lassen. Die zwei Knackpunkte aber, wieder keine Anrechnung früherer Mehrleistung, und starke Lohnreduktion. Ein Lebensarbeitszeitmodell ist das noch nicht, nur ein verzweifelter Versuch AN länger im Berufsleben zu halten durch Arbeitszeitreduktion.
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