IceWars *wink* Community
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Autor Thema: Anekdoten aus der Tagespolitik  (Gelesen 17767 mal)
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Gray
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« am: 15.07.2013 15:31:19 »

Der Carsten Hoenig hat dazu zu Hoeneß (Zwischenposter, elendiger) was in seinem Blog geschrieben:
Bayerischer Elfmeter ohne Torwart
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Moderationsrelevantes ist farblich gekennzeichnet. Der Rest ist persönliche Meinung.
Viel Wissenswertes gibt es in der Icewars-Doku
Fragen oder Kritik? Forenmitteilung an Gray
Für weitere Fragen: wa-na-ka per Forenmitteilung nerven
Nasobema Lyricum
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« am: 15.07.2013 21:04:37 »

Ich bleib mal dabei, dass mich die Hoeneß Hexenjagd nicht interessiert.

Werksverträge bei Daimler-Benz
für interessierte gibt es auch noch eine Vollversion von dem Video.
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wa-na-ka
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« am: 15.07.2013 21:57:15 »

Jeder Arbeitgeber versucht in irgendeiner Art und Weise die staatlichen Vorgaben zu umgehen.

Habs doch vor 5 Jahren in der Briefzustellung selbst erlebt. Der Arbeitgeber weigerte sich den frischen gesetzlichen Mindestlohn zu zahlen, weil er im Hauptgeschaeft 'Zeitungen' zustellte. Ergo war ich kein Brief- sondern ein Zeitungszusteller, mit dem man machen konnt was man wollte - insbesondere derartige Niedrigloehne zahlen, dass ich je nach Briefaufkommen einen Stundenlohn von unter 2 Euro hatte. Von gesundheitlichen Aspekten, nicht vorhandener Arbeitskleidung und geeigneten Befoerdungsmoeglichkeiten einmal abgesehen.

Und selbst jetzt erhalte ich ziemlich wenig fuer das was ich alles machen muss. Und das trotz einer 25%igen Gehaltserhoehung vor 2 Jahren (vorher haett ich trotz 40-Stunden-Woche allein nicht von leben koennen - hab ihm dann gesagt entweder deutlich mehr oder tschuess).
Chefs wollen nichts zahlen, aber maximalen Einsatz haben - egal was man ihnen sagt. Und das wird soweit ich es sehe immer schlimmer (guckt euch doch mal die Umfragen zum Arbeiten waehrend des Urlaubs an).


Unser Gesetzgeber sollte sich einmal komplett von diesen furchtbaren Lobbyisten lossagen und tun wofuer WIR sie bezahlen. Neben den Moeglichkeiten die aktuellen (daemlichen) Gesetze auszunutzen besteht das Problem, dass es zu wenige Leute gibt, die deren Einhaltung ueberhaupt einmal ueberpruefen und auch ahnden.

Was mich wieder zu dem Punkt bringt, dass das Justizsystem komplett ueberarbeitet gehoert.
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Sumpfhuhn

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« am: 15.07.2013 23:27:33 »

Dann mach´ doch nen Hochschulabschluss. Von der Hauptschule in die Lehre und dann direkt an die Uni. Wenn man das geschickt anstellt, ist man jünger als Leute mit Abi. Und zweifelsohne ist ein Studium ein Garant für nen Job, der zu Wohlstand führt.  Very Happy Very Happy Very Happy
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wa-na-ka
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« am: 16.07.2013 08:26:21 »

Ich hab studiert, danke Wink (grad 18 gewesen und das Abi im Sack usw.) Aber nichts, wofuer es hier oben Arbeitsplaetze gaebe.

Und hey, momentan hab ich andere Prioritaeten, die meinen Arbeitgeber konsequent ausschliessen und erst in 2-3 Jahren wieder real werden lassen. Engel
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Sauron
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« am: 16.07.2013 10:04:39 »

Dann zieh' danach doch runter Smile
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Diablo
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Cygnus X-1

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« am: 16.07.2013 20:55:38 »

Ist es denn wirklich verwunderlich, dass ein Job mit der Einstellungsvoraussetzunge "Lesen können" schlecht bezahlt wird?

Ein Arzt im Krankenhaus bekommt inkl. Nachtdiensten ~12€/h Netto.
Ein Notarzt bekommt am Tag 8€/h, in der Nacht etwas mehr (Brutto!).

Die Ausbildung zum "Lesen und laufen können" dauert 1. bis 4. Klasse, die Ausbildung zum Arzt 13 Jahre Schule + 6 Jahre Studium.

Warum soll man fürs Briefe verteilen mehr als 4€/h bekommen?
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Striddl

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« am: 16.07.2013 21:54:26 »

@whiskey: nein, leider ist da kein fehler drin. es ist genau so wie beschrieben. eine strafe die eigentlich weit über dem limit für eine aussetzung zur bewährung liegt, wird einfach dadurch umgangen indem man gänzlich entgegen der üblichen rechtsauslegung die hälfte der strafe in form von geldstrafe verhängt, welche dann die möglichkeit einer bewährung nicht beeinflusst.

@gray: danke, für den link. jetzt ist wenigstens klar um welchen paragraf es sich bei der sache handelt. schon bedauernswert, dass man auf irgendwelchen blogs nach der antwort schauen muss. deutlich bedrückender ist natürlich die aussage dass das eine übliche vorgehensweise im bereich der wirtschaftskriminalität ist. einen schönen rechtssaat haben wir da.


@naso: der erste beitrag stand hier über 3 monate völlig allein und unbekümmert da. von untergehen kann man also nicht wirklich sprechen. es scheint sich nur keiner im iw-forum für wirtschaft dafür zu interessieren. daher hab ich auch nichts mehr in die richtung geschrieben.

dass die lohnstückkosten in deutschland seit 10 jahren (also hartz-reformen und co) kaum oder gar nicht gestiegen sind (und maßgeblich daran beteiligt waren europa in die krise zu fahren) ist ja nun auch schon ewig bekannt. es ist aber nunmal deutlich einfacher die schuld den piigs in die schuhe zu schieben und sich jedes jahr aufs neue mit infantiler freude über den titel exportweltmeister zu freuen. normalerweise würde man das ja jetzt versuchen der bildzeitung in die schuhe zu schieben, aber diese hirnlose und unkritische misinformation zieht sich ja quer durch die gesamte presselandschaft. der vergleich mit china hinkt übrigens. denn anders als deutschland hat china eingesehen dass diese grenzenlose exportfreude auf kosten der löhne nicht nur völlig dämlich, sondern auch kontraproduktiv und alles andere als nachhaltig ist. und ganz im gegensatz zu deutschland, steigen die löhne dort auch rasant.

das größte problem dabei sehe ich aber darin, dass scheinbar überhaupt kein problembewusstsein besteht bei denjenigen die womöglich etwas ändern könnten. ein kleines beispiel:

ich würde mal schätzen grob 90% meines privaten umfelds kommt studienbedingt aus sehr gutem hause, um es mal milde auszudrücken. ich bin einer der ganz wenigen in meinem freundeskreis, der nicht mindestens als sohn eines arztes aufgewachsen ist oder gar eine firma, apotheke oder sonstiges betriebsvermögen erbt. wer nur so etwas kennt, und selbst auf ein einstiegsgehalt von 50k plus schaut, der kann es sich scheinbar absolut nicht vorstellen wie es am anderen ende der gesellschaft aussieht. kürlich habe ich einem sehr guten freund mal versucht seine cdu-loyalität mit ein paar fakten zu kontern. bspw der tatsache dass der einkommensmedian in deutschland bei jährlich 23000 euro liegt, oder dass das vermögen in deutschland so verteilt ist, dass die untere hälfte gar nichts hat, während das reichste zehntel zwei drittel auf sich verteilt - tendenz steigend.
trotz der ganzen fakten habe ich leider rein gar nichts erreicht. eine mischung aus ignoranz und naivität führt dazu dass die statistiken ja irgendwo falsch sind und das bild total verzerren.

Auf politischer ebene könnte man das problem natürlich längst behoben haben. seit der wende (zur erinnerung für rechenschwache: das sind bald 25 jahre) hatten wir fast durchgehend eine politische mehrheit links der mitte. (natürlich ist es fraglich ob man die hartz4-schröder-spd als links bezeichnen kann) solange sich die spd aber grundsätzlich von der linkspartei distanziert wird es eben auch keine regierung diessetz der mitte geben.

achja, 10 euro sind dann doch ein wenig utopisch als mindestlohn. ein mindestlohn von 8,50 pro stunde - wie in einigen nachbarstaaten - sollte doch durchaus ausreichen. dabei kommt man netto immer noch auf 1200 euro im monat.


edit:
Warum soll man fürs Briefe verteilen mehr als 4€/h bekommen?

um nur mal 2 wahllos gewählte gründe zu nennen: menschenwürde und gesellschaftlicher frieden. man kann das thema auch durchaus anders angehen als über die investierte bildungszeit.
« Letzte Änderung: 16.07.2013 21:56:56 von Striddl » Gespeichert

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Sauron
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« am: 16.07.2013 22:18:14 »

@Diablo

Nur weil die Bezahlung bei KH Ärzten Mist ist, ist das kein hinreichender Grund, warum das in anderen Tätigkeitsfeldern auch so sein muss. Ärzte haben zudem noch die Möglichkeit, sich zu besseren Bedingungen woanders anstellen zu lassen bzw. sie haben es deutlich leichter, von dieser Möglichkeit gebrauch zu machen.
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Iseutz
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« am: 16.07.2013 23:26:12 »

die briefträger sollen froh sein, daß sie überhaupt noch arbeit haben. genauso die paketträger. und die krankenpfleger. oder die erzieher. alles nutzlose jobs, für die man nichts können muß, diese bessere strukturierung ihrer freizeit muß man nicht auch noch bezahlen. die menschenwürde ist sowieso untastbar.

zu hoeneß: die gerichte wägen ab, welche konsequenzen es hat, jmd, der zb steuerhinterziehung begeht, hart oder eben weniger hart zu bestrafen. der Uli hat viele freunde, viele reiche freunde. und den Uli jetzt zu ärgern, weil er aus versehen vergessen hat das richtige vorgehen zu wählen, könnte dazu führen, daß Uli und seine reichen freunde sagen, daß der böse staat böse und gierig ist und die verdammten postboten und erzieher den rachen einfach nicht vollkriegen können. deswegen gehen die alle weg aus dtl raus und nehmen ihr schönes geld mit. also auch arbeitsplätze und investitionspotential. und auch regulär und brav entrichtete steuern!! wenn die strafe vom Uli zwar treu und eng dem gesetz nach vollzogen würde, aber der schaden über die nachfolgenden konsequenzen absehbar größer ist, tendiert der staat dazu alle augen zuzudrücken und sich doch lieber dem brötchendieb zuzuwenden. der hat zwar auch freunde, aber das dreckspack zahlt in tausend jahren nicht so viel steuern, wie Ulis freunde in einem monat. kann man doof finden, man kanns aber auch verstehen wollen.

striddl: ka, wo jetzt der anknüpfungspunkt zum mindestlohn war, aber - ich habe so meine zweifel, daß der mindestlohn in dtl irgendwas verbessern würde. darum gehts imo auch nicht. der mindestlohn soll den abstand von dtl zu den übrigen marktteilnehmern verkleinern, damit die wieder konkurrenzfähiger werden. das bedeutet eine begradigung der handelsbilanzen, die momentan sehr zu ungunsten aller anderen länder ausfällt während sich die reicheren dt immer mehr gewinne und besitz anfressen können. die reaktion auf den mindestlohn wird eher so ausfallen, daß arbeitszeit verkürzt wird und man zb eben nicht mehr auf die 1200€ kommt, sondern wie viele leiharbeiter jetzt schon deutlich darunter liegt. mehr leistung wird verlangt in noch weniger zeit, statt die flexibilität zu belohnen wird sie noch stärker als züchtigungsmittel und zum brechen des widerstandes genutzt werden. und diese frechheit wird dann noch kommentiert werden ala seht ihr, es hat nichts verbessert, haben wir ja gleich gesagt. was nicht heißt, daß man das projekt abblasen soll, nur muß man sich klarmachen, daß jetzt schlechtgestellte bürger auch mit mindestlohn schlechtgestellte bürger bleiben werden.
die situation wird dann verbessert, wenn die vermögenden zum verzicht gezwungen werden, was aber natürlich auch zu einem allgemeinen wohlstandsverlust führt. das ist gegen nationales interesse (machtverluste, sicherheitsverluste...) und damit wird das niemals ohne äußeren zwang passieren. die EU könnte einen ausweg darstellen, nur sieht es im rest der welt auch nicht besser aus. die EU kann auch keine insel der glückseligen werden, wenn die USA und die emerging powers rein nationale interessen verfolgen und nur deswegen multilateral arbeiten, weils halt dem zeitgeist entspricht. das zwingt ja jeden selbstbewußten staat dazu, sich genauso zu verhalten.
zu unseren lebzeiten wird dieses problem jedenfalls nicht gelöst und nach uns vllt auch nur über ein crash-szenario.
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Striddl

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« am: 17.07.2013 00:08:03 »

die briefträger sollen froh sein, daß sie überhaupt noch arbeit haben. genauso die paketträger. und die krankenpfleger. oder die erzieher. alles nutzlose jobs, für die man nichts können muß, diese bessere strukturierung ihrer freizeit muß man nicht auch noch bezahlen. die menschenwürde ist sowieso untastbar.
das wäre herrlich komisch, wenn das nicht genau die derzeitige wirtschaftliche und soziale lage der betreffenden wäre.


den rest deines posts will ich gar nicht ausführlich kommentieren. du hast mit den meisten sachen ja durchaus recht, aber die schlussfolgerung die du zeihst, will ich definitiv nicht teilen. vielleicht betrachtest du das als realismus; ich würde das eher als resignation bezeichnen. wenn wir soziale gerechtigkeit von vornerein direkt abschreiben und als utopie abtun, warum dann überhaupt noch wählen gehen?
« Letzte Änderung: 17.07.2013 00:12:20 von Striddl » Gespeichert

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« am: 17.07.2013 08:25:20 »

das ist ja die gretchenfrage der demokratie. wenn man wählen-gehen als instrument des einflusses begreift, dann muß man auch akzeptieren, daß dieser einfluß in einen ungerichteten und langwierigen prozess mündet, bei dem es wenige unmittelbare gewinne gibt, dafür aber viele unmittelbare verluste, wenn nämlich nicht die gewünschte partei an die macht kommt. und selbst wenn doch sieht man die gewinne nicht gleich.

wenn man aber keine geduld hat bzw nicht haben will, weil es dem eigenen empfinden nach anders gehen muß, dann sollte man das mit dem wählen-gehen bleiben lassen und sich selber aktiv irgendwo einbringen. wohl wissend, dass alle positiven beiträge zur gesellschaft dieser wiederum zur selbstlegitimierung gereicht. wie man es dreht und wendet, die demokratie ist ein ausgereiftes herrschaftsinstrument, daß die bürger einfängt und versucht, soziale spannungen abzumildern oder aus dem bewußtsein zu verdrängen. was ja ein grund dafür ist, warum demokratie in vielen ländern nicht funktioniert, da gibt es nicht genug geld/beschäftigung, um die spannungen zu lösen und der ganzen überbau mit präsident, parlament und wahlen kracht in sich zusammen. russland und china machens genau richtig, die können sich ihre bevölkerung nicht kaufen, also unterdrücken sie sie und versuchen trotzdem die materielle not zu lindern. wenn die in hundert jahren reich genug sind, werden die auch verwestlichen. und was passiert, wenn das geld versiegt, sieht man an einer ganzen reihe von westlichen nationen, die bauen hübsch um richtung mehr unterdrückung, einfach weil anders als zuvor nicht mehr genug geld für den ruhig-stellen-apparat zur verfügung steht.

wenn du nach sozialer gerechtigkeit fragst, frage nicht nach demokratie und wahlen. die haben damit nur insofern zu tun, daß sie eine besondere volksverwaltungsstrategie darstellen, wenn es die materiellen umstände erlauben, subtilere formen der herrschaft anzuwenden. beherrscht zu werden ist kein schönes gefühl, aber das ist leider etwas, das menschen gerne tun und viele leben einfach damit. und an dem punkt folgt unweigerlich die erkenntnis:

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« am: 17.07.2013 11:17:05 »

@Striddl:
"ein wenig utopisch" hrhr! Wenn du schon soweit bist, dass du dieses Adjektiv für sowas benutzt - mein Beileid. Der Mindestlohn a la "8,50" ist reine Augenwischerei. Klar würde damit den ca. 4.9 Millionen Bezugsberechtigten in diesem Land, die aus diversen Gründen KEINEN Leistungsantrag stellen, ein bisschen geholfen, aber hauptsächlich wäre es eine staatliche Sparmaßnahme für den Staat, da dadurch momentane Aufstocker gerade so über das fest gesetzte Lohnminimum steigen würde, das sie zum Aufstocken berechtigt und sie hätten im Endeffekt also weniger Geld als vorher. Das Frau Merkel jetzt dem besagten Mindestlohn das Wort redet, liegt daran, dass sie genau das weiß und sich innerlich darüber totlacht der SPD so einfach ein Thema von der Schippe genommen zu haben. Die Linken stehen für einen Mindestlohn von mindestens 10.50.
Die Lohnstückkosten mit Reallohnanpassung gleichzusetzen ist im Übrigen falsch.
Was die Werksverträge angeht, so hat das mit dem üblichen Lohndumping herzlich wenig zu tun.

Was außerdem den politischen Willen angeht - der ist sehr wohl vorhanden! Hartz 4 war genau so politisch gewollt und aus politischer, sprich wirtschaftlicher, Sicht auch ein voller Erfolg. Ein Misserfolg war es nur wenn man den Fehler begeht der Regierung Schröder zu unterstellen, sie hätte tatsächlich den betroffenen Menschen helfen wollen.
Außerdem betrifft es ja nicht nur den Arbeitsmarkt sondern zieht sich durch das ganze Fundament unserer im GG festgesetzten staatlichen Prinzipien. Die gesetzlichen Krankenkassen z.B. sind genau so betroffen, da sich dort das auflöst, respektive aufgelöst wird, was die notwendige Basis für ein solches Versicherungssystem ist: Die Solidargemeinschaft. Gesetzliche Rentenversicherung - check.
Iseutz hat das im letzten Satz ziemlich gut den Punkt gebracht. Und wenn man mal drüber nachdenkt unterscheiden wir uns Heute auch gar nicht so sehr von dem System zB der Nazis. Hört sich erst mal scheiße an? Ist aber gar nicht so weit gegriffen.
Die grundlegende Idee auf welcher die Nazis operierten, war den Wert eines Individuums für den Staat festzulegen. Das kann man in der Form Heute nicht mehr wirklich machen (wobei wir noch bis in die 80er  Behinderte zwangssterilisiert haben), aber wenn man es etwas subtiler angeht und den Wert eines Menschen an seinem wirtschaftlichen Nutzen festmacht, quasi eine Ökonomisierung des Individuums, wird ein Schuh draus, den sich dann erfreulicherweise ein Großteil der Menschen anziehen, die davon am wenigsten profitieren.
Ich zitiere hier mal den Herr Steinbrück:

Zitat
Soziale Gerechtigkeit muss künftig heißen, eine Politik für diejenigen zu machen, die etwas für die Zukunft unseres Landes tun: Die lernen und sich qualifizieren, die arbeiten, die Kinder bekommen und erziehen, die etwas unternehmen und Arbeitsplätze schaffen, kurzum: die Leistung für sich und unsere Gesellschaft erbringen. Um die - und nur um die - muss sich Politik kümmern

das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Frau Merkel, wissend das man es kurz und prägnant halten muss, verkürzt es auf "Sozial ist was Arbeit schafft"

Was die Bildung angeht:
Man schaue sich an wie die letzten erhobenen Zahlen  in Bezug darauf, wer aus welchen Familien Abitur macht und danach evtl studiert aussehen und verabschiede sich dann von dem Begriff der Chancengleichheit mit dem ja gerne in Form von "JEDER kann doch Abi machen und studieren" rum geworfen wird.

und zum Schluss zu Freund Dia:
Wenn also die Bezahlung für Ärtze (was ja sogar gar nicht so unrichtig ist) zu niedrig ist, rechtfertigt sich daraus, dass anderen NOCH schlechter bezahlt werden müssen, da der ZU niedrige Lohn der besagten Ärzte sonst ja NOCH ungerechter wäre, ja? Das ist die Idee des Lohnabstandes mit dem die FDP den Hartz IV satz noch weiter runter drücken wollte-ziemlich verdrehte Logik.
Zumal da die zunehmende Privatisierung von Kliniken ja auch eine Rolle spielt, die übrigens auch dazu führt, dass Ärzte immer öfter, aufgrund von ökonomischen Vorgaben seitens des Arbeitgebers, gegen ihren hippokratischen Eid verstoßen müssen, da sie sonst keinen Job mehr haben.




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Striddl

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« am: 17.07.2013 13:36:49 »

mit dir zu diskutieren macht depressiv iseutz. das nimmt ja fast schon fatalistische züge an bei dir. und wenn du dieser argumnetation folgst, erübrigt sich jegliche diskussion doch sowieso. die wenigen menschen die ich kenne und die dieser argumentation folgen (wenn auch weniger eloquent^^) nehemn das üblicherweise als fadenscheinige begründung für ihr politisches desinteresse und gleichgültigkeit.
davon mal abgesehen hat die zerstörung des sozialstaates in deutschland mittels hartz4, dem abbau von sozialleistungen und der anpassung der einkommens- und umsatzsteuern gerade einmal 10 jahre in anspruch genommen. diesen trend umzukehren dürfte in derselben zeit ebenfalls machbar sein.

und auch das totschlagargument gegen stärkere bestrafung von steuerhinterziehung bzw. das steuerthema im allgemeinen halte ich schlichtweg für hanebüchne propaganda der betroffenen personen, bzw. deren lobbyisten, dem du hier brav folgst. dabei spricht man erstmal jedem besserverdienenden pauschal jegliche soziale oder emotionale bindung zu seinem umfeld in deutschland ab. nach dem motto "hohe steuern? scheiß drauf, ich geh nach timbuktu. mir doch egal, dass ich mein gesamtes bisheriges leben einfach zurücklasse."
außerdem stellt sich die mehrheit der bevölkerung das wohl doch etwas zu einfach vor mit dem auswandern. wer das mal versucht, der wird sehr schnell feststellen, dass das nicht ohne umstände (auf legalem wege) möglich ist; viel schwieriger wird das gleich, wenn das einkommen auch noch aus solch geografisch unbeweglichen einkommensquellen wie dem präsidentenamt des fc bayern oder einer wurstfabrik im freistaat kommt.


@naso:
möchstest du deine gedanken zum aufstocken mal genauer erleutern? ein aufstocker der bisher die differenz zwischen bedarfsanspruch und seinem einkommen aufgestockt bekommen hat, bekommt in summe nicht weniger, wenn sein lohn den bedarfsanspruch übersteigt, da man als aufstocker per se seinen bedarfsanspruch nicht übersteigen kann. insofern ist die aussage nicht haltbar, dass man im endeffekt mit weniger geld da steht. das ist schlichtweg unmöglich.
richtig dagegen ist, dass ein mehrpersonenhaushalt mit kindern und nur einem einzelnen (mindest-)einkommen auch bei einem mindestlohn weiterhin aufstocken müsste. um diesen umstand beheben zu wollen, wäre aber auch ein mindestlohn von 10,50 nicht ausreichend. in dem fall lägen wir eher bei 12 - 13 euro. dem problem ist mit einem mindestlohn also nicht beizukommen.

im übrigen setze ich nicht lohnstückkosten mit den reallöhnen gleich. reallöhne sind aber einfach völlig ungeeignet um die lohnentwicklung international zu vergleichen. erstens sind reallöhne exklusive lohnnebenkosten (was völliger blödsinn ist, denn lohnnebenkosten ist nur neusprech für bestimmte teile des lohnes, der trotz allem zum lohn gehört) und zweitens die produktivität nicht berücksichtigt wird. griechenland kann nämlich sehr wohl die lohnstückkosten senken ohne die löhne rabiat kürzen zu müssen. (beispielsweise in dem chinesische firmen den größten griechischen hafen aufkaufen)

mal abgesehen davon verstehe ich nicht so ganz warum sich dein diskussionseifer so sehr auf mich beschränkt. dafür dass wir sehr ähnliche positionen vertreten sehe ich den sinn darin nicht so ganz.




da dieser thread hier jetzt urplötzlich aufmerksamkeit bekommt will ich gleich mal noch zwei weitere themen einbringen. beides mal wieder etwas was man in den deutschen medien vergeblich sucht:

1. hat jemand von dem israelischen luftangriff auf ein russisches raketendepot in syrien gehört, der kürzlich statt gefunden haben soll? nein? ich auch nicht. war den deutschen medien auch keine nachricht wert. ist aber auch nicht weiter wichtig, denn wie sich rausgestellt hat, war das gar kein luftangriff, sondern eine cruise missile. abgefeuert von einem der delfin-klasse uboote die wir freundlicherweise an israel verkauft verschenkt haben. ja genau, das war eines dieser "verteidigungs-uboote" die nie, nie niemals als angriffswaffe eingesetzt werden würden, oder gar zum abschuss von nuklearen raketen. deutschland würde doch niemals einen konflikt wie diesen auch noch befeuern wollen...


2. erinnert sich noch jemand an die geschichte mit dem deutschen gold, welches bei der NY fed eingelagert ist, und nun teilweise zurückgeholt werden sollte, aus angst dass das womöglich gar nicht da ist? die angst, die laut deutschen offiziellen gar nicht begründet ist? und wo man sich dann trotzdem dazu entschieden hatte, einen teil zurückzuholen, was aber seltsamerweise 7 jahre in anspruch nimmt?
nun, was wäre wohl, wenn das gold tatsächlich nicht mehr dort wäre; dann müsste man ja das gold erstmal zurück nach ny bringen bevor man es den deutschen schicken kann. wäre das der fall, müsste man irgendwo sehr kurzfristig sehr viel gold herbekommen.
« Letzte Änderung: 17.07.2013 13:37:24 von Striddl » Gespeichert

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« am: 17.07.2013 16:29:35 »

Aber mal ganz ehrlich: Was bringt es, wenn wir einen Steuersuender in den Knast bringen, wo wir dann noch fuer dessen Unterbringen etc. bezahlen duerfen?

Wuerde es nicht deutlich mehr Sinn machen, wenn wir solchen Personen massive Strafzahlungen aufbrummen? Das tut richtig weh und der Staat (und damit auch wir) hat mehr von sowas. Ansonsten kommt er hinterher raus und hat immer noch die ganze Kohle auf seinem Auslandskonto liegen, die er dann frei nutzen kann.

Zur Verjaehrung lese hier.

Was bringt es, Schwarzfahrer in den Knast zu bringen weil Jene ihre Strafzettel nicht bezahlen können? In manchen JVA machen Schwarzfahrer ein Drittel (!) der Gefangenen aus - dabei kostet ein durchschnittlicher Gefängnisinsasse den Steuerzahler über 1.000 Euro - pro Tag. Zum Vergleich: Eine ÖPNV Jahreskarte kostet in den meisten Verkehrsverbünden etwa zwischen 500 und 1000 Euro - im Jahr.

Im Sinne einer schonenden Ausgabenpolitik macht Beides wenig Sinn, da stimme ich Dir zu. Es ist überlegenswert Gefängnisstrafen deshalb auf Personen zu beschränken von denen eine Gefährlichkeit für Leib und Leben der Allgemeinheit ausgeht (Mörder, Vergewaltiger etc.). Dem strafenden, abschreckenden Effekt mit dem kriminelle Handlungen von seiten der Staatsmacht begegnet wird, wäre auch anders Genüge getan - zum Beispiel mit hohen Geldstrafen (die nicht fix sein sollten, sondern sich wie z.B. in Schweden am Einkommen ausrichten) oder sozialen Arbeiten (Müll aufsammeln, Park verschönern, Essen für Pflegebedürftige ausfahren etc.).

Herr Zumwinkel musste damals eine Strafzahlung von 1 Mio Euro leisten. Anschließend ließ er sich seine Pensionsansprüche von der Post auszahlen - 30 Mio Euro - und kaufte sich ein Schloss in Österreich. Bei Hoeneß ist anscheinend eine Strafe von 720 Tagessätzen geplant, was ihm ebenfalls nicht weh tun wird - denn seine Haupteinnahmequelle dürfte sein Unternehmen sein, nicht sein Gehalt als FC Bayern-Präsident.

Selbst wenn man also argumentiert dass eine Gefängnisstrafe unsinnig sei, ist für mich nicht zu erkennen dass die milden Geldstrafen welche mit den Urteilen gegen diese beiden massiven Steuerhinterzieher verbunden sind/sein werden irgendeinen strafenden Effekt haben. Für Zumwinkel und Hoeneß sind das Peanuts welche sie in ihrer Lebensführung nicht einschränken, anders als zum Beispiel einen Studenten der zigtausende Euro an Abmahngebühren für ein paar Songs berappen muss und in die Privatinsolvenz gezwungen wird.

Die Ahndung dieser Steuerhinterziehung hat somit auch keine abschreckende Wirkung auf andere Steuerhinterzieher in derselben Gewichtsklasse. Sie hat keinen strafenden Effekt, keinen abschreckenden Effekt und keinen rehabilitierenden Effekt, womit das Strafrecht sich im Falle der Eliten mal wieder als zahnloser Tiger entpuppt.

Das war natürlich schon immer so und wird auch niemals anders sein. Eine Gleichheit vor dem Gesetz gab es nie - im Mittelalter existierten sogar eigene Strafkataloge, deren Schärfe sich erheblich an der Standeszugehörigkeit des Delinquenten orientierten. Heute existiert dieses Standesrecht nicht mehr formell, aber informell fort, es wird nur subtiler durchgesetzt, durch teure Anwaltskanzleien und die Verbindungen zu den höchsten Ebenen von Verwaltung, Wirtschaft und Politik welche ein Mann wie Hoeneß hinter den Kulissen aktivieren kann.

Glaubte denn auch nur ein Bürger, dass der Mann, dem nach Bekanntwerden seiner Verbrechen nacheinander die Kanzlerin, der Bundespräsident und der Ministerpräsident ihre demütige Aufwartung machten, wie Du und Ich für seine Taten einfahren würde? Ich persönlich kenne niemanden der etwas Anderes erwartet hätte.

Da keiner von uns dieser Schicht angehört und wir bei ähnlichem Fehlverhalten mit der vollen Härte des Gesetzes zu rechnen haben bleibt uns nichts, als eben diesem Recht zu gehorchen als gesetzestreue Staatsbürger. Einem Recht das für uns gilt, nicht jedoch für die Zumwinkels und Hoeneß' in unserem "Rechts"staat.

Warum soll man fürs Briefe verteilen mehr als 4€/h bekommen?

Weil die 4 Euro/Std Lohn nicht durch den "freien Markt" zustande kommen (Angebot und Nachfrage), sondern durch die massive Lohnsubvention ("Aufstocken") seitens der Steuerzahler welche diesen Lohn auf das Existenzminimum hieven. Diese massive Intervention des Staates in das Marktgeschehen macht solche Löhne bei uns erst möglich. Der Staat subventioniert Niedrigstlöhne. Ohne diese Subventionspolitik bestünde eine ganz andere Marktdynamik.
« Letzte Änderung: 17.07.2013 21:46:27 von DerBademeister » Gespeichert

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« am: 17.07.2013 17:39:21 »

Was die Bildung angeht:
Man schaue sich an wie die letzten erhobenen Zahlen  in Bezug darauf, wer aus welchen Familien Abitur macht und danach evtl studiert aussehen und verabschiede sich dann von dem Begriff der Chancengleichheit mit dem ja gerne in Form von "JEDER kann doch Abi machen und studieren" rum geworfen wird.
Anderes Thema, aber habe während dem Studium und während der Oberstufe nichts von meinen Eltern bekommen. Dafür hatten die einfach nicht das Geld. Während der Schule bin ich in den Ferien und Wochenends arbeiten gegangen, was dann dank der geringen Arbeitszeit fast Brutto wie Netto war. Während dem Studium habe ich von 400 € Einkommen ~200 fürs Studentenwohnheim gezahlt und von den restlichen 200 gelebt. Natürlich ist Abi und Studieren leichter für jemanden der sich nicht ums Geld sorgen muss, aber wirklich unmöglich wird es einem hier nicht gemacht.

und zum Schluss zu Freund Dia:
Wenn also die Bezahlung für Ärtze (was ja sogar gar nicht so unrichtig ist) zu niedrig ist, rechtfertigt sich daraus, dass anderen NOCH schlechter bezahlt werden müssen, da der ZU niedrige Lohn der besagten Ärzte sonst ja NOCH ungerechter wäre, ja? Das ist die Idee des Lohnabstandes mit dem die FDP den Hartz IV satz noch weiter runter drücken wollte-ziemlich verdrehte Logik.
Zumal da die zunehmende Privatisierung von Kliniken ja auch eine Rolle spielt, die übrigens auch dazu führt, dass Ärzte immer öfter, aufgrund von ökonomischen Vorgaben seitens des Arbeitgebers, gegen ihren hippokratischen Eid verstoßen müssen, da sie sonst keinen Job mehr haben.
Sehe ich ziemlich ähnlich, man muss aber auch einfach sehen, dass in der Wirtschaft dort gut gezahlt wird, wo Geld ist. Wenn ich aktuell Angebote auf der Arbeit schreibe, dann liegt mein Stundensatz im Grunde immer zwischen 135 € und 200 €. Liegt halt einfach daran, dass ich in einem Bereich arbeite, der im Jahr ein Einkaufsvolumen von ~35 Milliarden verwaltet. In allen Berufen in denen kein Geld da ist, ist es völlig egal wie gut (oder schlecht) man ist, dort wird es nie einen angemessenen Lohn geben. Sei es nun ein marodes Gesundheitssystem oder die riesige Gruppe der sozialen Arbeit.

Wie soll aus einer Postkarte die 45cent einbringt mehr als 45cent rauskommen? Und dabei ist der Postbote nur einer der Kette die bezahlt werden muss. Ich fände es nur fair, wenn ein Brief 5 € Versand kostet. Wenn ein Haarschnitt in der Münchener Innenstadt mehr als nur 8€ kostet. Oder auch wenn das Hackfleisch im Aldi eben 2 € kostet.
Wer einen Brief verschicken will, die Haare geschnitten haben will oder Hackfleisch essen will, der wird diese Preise auch bezahlen. Besonders die Deutschen regen sich aber halt lieber darüber auf, dass Porto von 55 auf 58cent steigt während man jeden Samstag mit dem Nachbarn ne Kippe qualmt während man wartet, dass der Karrn endlich aus der Waschstraße kommt.

Die Notare haben das Prinzip verstanden. Wer etwas beglaubigt haben will, der zahlt halt einfach 50.- für 3 Minuten lesen und 10sec unterschreiben+stempeln.
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wa-na-ka
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« am: 17.07.2013 21:18:56 »

Bademeister: Ich sag ja, dass das ganze Justizsystem bescheuert ist und erneuert gehoert. Nicht nur auf die Steuerhinterziehungen bezogen. Jeder Knastaufenthalt, der nicht aus wirklich gefaehrlichen Gruenden zustande kommt, ist ueberfluessig.

Und dass viele Berufsklassen schlichtweg unterbezahlt sind, ist mir schon klar. Seien es Aerzte, Brieftraeger oder wer auch immer. Ich wollte da ganz sicher niemanden ausnehmen. Es war nur als Beispiel gedacht.

Ich hätte auch kein Problem damit, wenn die Preise fuer Friseur oder Briefporto steigen. Wenn es auch die Qualitaet (Beispiel: Deutsche Post) beeinflusst, dass diese hoch bleibt / wird, ist alles in Ordnung. Wobei ich fuer mich sagen kann, dass ich bei keinem 8 Euro Friseur mir jemals habe die Haare schneiden lassen - bin ich den wahnsinnig, wer weiss, was dabei rauskommt. Fuer 8 Euro erwarte ich keine Qualitaet, eher ein schnell schnell und hinterher siehts grauenhaft aus.


Heute erst gehoert, dass der 'Filialleiter' einer Dienstleistungsfirma Provisionen erhalten soll auf die Arbeit seiner Untergebenen. Spric,h er macht so krass geplante Angebote an andere Firmen, wo seine Unterlinge ewig schwitzen, damit sie alles einhalten, nur damit er ordentlich Geld dafuer noch rauszieht. So wie nen Banker Provisionen bekommt, wenn er seine Kunden abzockt. Geld Geld Geld Geld. Ist doch grauenhaft.

Finde es schon gefaehrlich genug, wenn da ueberall in den Medien fuer Kredite geworben wird und mir der Bankberater unbedingt 25k Dispo aufschwatzen will, obwohl das mehrfach abgelehnt wurde. Oder man mich anruft, um mir nen Kredit schmackhaft zu reden - ohne dass ich nach dergleichen gefragt habe. Alle irre.
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Iseutz
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« am: 17.07.2013 21:53:38 »

@striddl,
den trend umzukehren ist eben nicht in der selben zeit schaffbar, weil es entgegen der wirk- und stoßrichtung der vorherrschenden politik liefe. der sozialabbau ist gar keine kurzfristige politikänderung, da wurde lediglich aufs gas getreten ohne den kurs zu ändern. ums extrem plakativ zu sagen: man muß sich nur mal eine rakete vorstellen, die ist auch nur schwer komplett umzudrehen, wenn sie erstmal losgeflogen ist. da kann man nur leicht umsteuern, damit sie ohne zu explodieren oder sonstige zwischenfälle einen riesengroßen wendekreis fliegt. derjenige, der das ruder zu hart herumreißt ist dann nämlich der depp, der erst die katastrophe auslöst und dann dafür gescholten wird. während die vorgänger, die aber in unserem fall jahrzehntelang die grundlage für den flug in die falsche richtung gelegt und die immer drängerndere notwendigkeit für ein umsteuern verursacht haben, längst über alle berge sind...

die sache mit der steuerhinterziehungsentschuldigung ist übrigens nicht meine position, allerdings entbehrt sie nicht einer gewissen plausibilität und selbstimmunisierung. zwei faktoren, gegen die man auch berücksichtigen sollte, wenn man unsere mitbürger vom gegenteil überzeugen will. rein rechnerisch ist das ja nicht aus der luft gegriffen und beispiele aus der realen welt gibt es durchaus (schraubenkönig würth zb). natürlich wechseln die wohlhabenden nicht beliebig hin und her, sei es aus finanziellen gründen oder moralischen. nur wurden und werden eben an dieser stelle dem staat durchaus immer wieder die grenzen aufgezeigt, quasi in einer umkehrung der 'normalen' machtkonstellation.

@dolphin raketen
erstens unbestätigt, zweitens drückt in dtl niemand aufs abschußknöpfen, drittens nehmen sich die israelis seit jeher das recht (woher auch immer), auf jede signifikante militärische bedrohung nach gutdünken zu reagieren. ich spiele mal weiter des teufels advokat und sage, daß diese spezifische einmischung auch deutschen interessen (aka marionette der usa und wahres trojanisches pferd in der EU) dient, immerhin gibt es nach wie vor keine UN mission und wird es wohl auch nicht mehr geben. unter diesem gesichtspunkt sollte man sich evtl auch daran erinnern, daß dtl luftabwehrbatterien in die türkei geschleppt hat, aber sich ansonsten auch nicht weiter einmischen mag. das sicherheitsrisiko durch die 'syrischen' rebellen ist indes durchaus nicht zu verachten, wenn man die konsequenzen für die regionale und globale sicherheitslage bedenkt, die ein weiterer failing state mit massivem islamistischem einfluß bedeuten würde. wenn die weltgemeinschaft *hust* die wahl hat, zieht sie immer noch einen westlich orientierten diktator, der für ruhe und ordnung sorgt, einer freidrehenden gesellschaft vor. insofern dank an israel und in bester ebay-er manier: gerne wieder!

@gold
ich finde, der artikel und deine aussage passen nicht zueinander. ich verstehe es aber auch nicht richtig, bitte um erläuterung.

@Dia
es stimmt sicher, daß sich niedrige preise und niedrige löhne gegenseitig bedingen. aber man kann leider nicht umgekehrt behaupten, daß höhere preise auch zu entsprechend höheren löhnen führen, denn niemand kontrolliert bzw gibt vor, wieviel von etwaigen mehreinnahmen für eine lohnausweitung genutzt oder eben in andere dinge (re-)investiert werden.

und was die sektoren angeht - wenn kein geld da ist bzw erwirtschaftet werden kann, dann ist der sektor auch nicht von signifikanter größe. da aber gerade der gesundheitssektor von doch erheblicher größe ist (gerne wird auch der begriff 'aufgebläht' vewendet), drängt sich die annahme auf, daß hier auch erhebliche geldmengen vorhanden sein müssen. vielleicht ist es eher eine frage, wieviel wert einer arbeit/-sleistung pro person grundsätzlich zugebilligt wird. und das ist letztlich im grunde ziemlich willkürlich und hängt davon ab, wie stark ein berufsbild schon in gesellschaftliche strukturen integriert ist. anders kann man zb nicht erklären, wieso ein mittelmäßiger webdesigner oder graphikdesigner (neue aufgaben, wenig berufsausüber) sehr gut verdienen kann, aber eine gute krankenschwester nicht (altbekannte aufgaben, relativ viele berufsausüber). obwohl beide ja, zwar auf unterschiedliche weise, konkrete arbeitsleistungen erbringen, die man auch beide sehr gut bezahlen könnte und müsste, qualifikationsaufwand sowie geistig+körperliche belastung sind identifizierbar. aber die verteilung fällt trotzdem radikal anders aus, trotz gigantischer kennzahlen...
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DerBademeister

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« am: 17.07.2013 22:12:48 »

Die Notare haben das Prinzip verstanden. Wer etwas beglaubigt haben will, der zahlt halt einfach 50.- für 3 Minuten lesen und 10sec unterschreiben+stempeln.

Nicht umsonst hat die große Koalition aus CDSUSPDFDPGRÜNE noch einmal vor der Sommerpause eine kräftige Gebührenerhöhung von bis zu 80 (!) % für ihre Kollegen in der Notarbranche durchgewunken.

Anderes Thema, aber habe während dem Studium und während der Oberstufe nichts von meinen Eltern bekommen. Dafür hatten die einfach nicht das Geld. Während der Schule bin ich in den Ferien und Wochenends arbeiten gegangen, was dann dank der geringen Arbeitszeit fast Brutto wie Netto war. Während dem Studium habe ich von 400 € Einkommen ~200 fürs Studentenwohnheim gezahlt und von den restlichen 200 gelebt. Natürlich ist Abi und Studieren leichter für jemanden der sich nicht ums Geld sorgen muss, aber wirklich unmöglich wird es einem hier nicht gemacht.

Es gibt auch Menschen aus dem Sudan und Somalia die es schaffen zu studieren - unmöglich wird es ihnen dort nicht gemacht. Ich denke Du weißt selbst dass "unmöglich" ein kraftloses nonsense-Argument ist, da mit dem "Nichts ist unmöglich"-Totschlagargument eigentlich jedwedes Unrecht relativiert werden kann. Die rechtlichen, sozialen, ökonomischen Rahmenbedingungen bestimmen maßgeblich, wie viele Menschen studieren. Und hier stellt die OECD in Studie um Studie immer klipp und klar fest, dass Deutschland eines der ungleichsten Bildungssysteme der westlichen Welt besitzt - ja selbst hinter den USA landet, in denen ein Hochschulstudium oft mit erheblichen Studiengebühren verbunden ist. Wenn 80 % der Kinder aus der Oberschicht studieren, aber nur 15 % der Kinder aus der sogenannten "Unterschicht" und wenn der Wert jener "Unterschichtstudenten" seit 30 Jahren kontinuierlich abnimmt, dann sollte das uns Allen zu denken geben.

Sehe ich ziemlich ähnlich, man muss aber auch einfach sehen, dass in der Wirtschaft dort gut gezahlt wird, wo Geld ist.

"Die" Wirtschaft gibt es nicht. Der Staat ist mit riesigem Abstand der größte Akteur in unserem Wirtschaftssystem - die öffentliche Hand verwaltet derzeit 39 % unseres BIP. Gerade in einige der vorgenannten Berufe (Sozialarbeiter, Krankenschwestern etc.) ist der Staat als Wirtschaftsakteur besonders stark involviert - es ist somit eben nicht "alternativlos" ("Die Wirtschaft", "Marktmechanismen", "Angebot und Nachfrage"), sondern es sind politische Entscheidungen die dazu führen dass viele für unsere Gesellschaft überlebenswichtige Berufe hundsmiserabel bezahlt werden. Wenn ein Radiologe im Schnitt 300.000 Euro Gewinn pro Jahr erzielt und eine Hebamme aufstocken muss um nicht zu verhungern, dann sind das keine metaphysischen, gottgleichen "Marktkräfte" die dazu geführt haben, sondern politische Entscheidungen. Niemand hindert unsere Volksvertreter daran, eine andere Politik zu machen. Es ist Heute, im Jahre Acht der Merkelschen Volkseinschläferungspolitik, en vogue geworden Politiker mit dem Verweis auf irgendwelche höheren Mächte aus ihrer Verpflichtung zur Gestaltung unseres Gemeinwesens zu entlassen - so einfach sollten wir es ihnen nicht machen.
« Letzte Änderung: 17.07.2013 22:17:00 von DerBademeister » Gespeichert

Sumpfhuhn

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« am: 17.07.2013 22:30:36 »

historisch betrachtet hat sich nichts verändert. Es gab schon immer wenige Mächtige und und viele Wenigermächtige. Die deutsche materielle Wunderzeit zwischen 2tem Weltkrieg und Mitte der 90er hat klar was mit Demographie und Sondersitutionen bedingt durch 2 Weltkriege und die schräge Kalter-Kriegs-Weltnachkriegsphase zu tun. Jetzt ist die Party vorbei und der Planet ein Dorf. Da interagiert jeder mit jedem und alle wollen ihre Krümelchen vom Kuchen. Wer will es wem verdenken?

Ist Diablo seine 100 Einheiten wert? Was hat er, was der 4-Einheiten-Briefträger nicht hat? Abgesehen von mehr Krempel, natürlich. Was nützt mir der eigene Privatflughafen, der eigene Kontinent, wenn ich unheilbar an sonstwas erkrankt bin. Und wenn sonstwas 10 Jahre später problemlos heilbar ist, aufgrund eines technologischen Fortschritts, auf wieviel Krempel würde ich verzichten für Heilbarkeit?

Will ich wirklich mit nem antiken Aristokraten tauschen, der als einer von ganz wenigen überhaupt fließendes Wasser im Haus hatte, nur um dann an Bleivergiftung durch Wasserrohre zu sterben. Ups, ne Schürfwunde. Tetanusinfektion bekommen. Lleider gibt es erst 2000 Jahre in der Zukunft nen Impfstoff. Schwamm drüber. Dafür hatte ich Haus mit Nutten Garten. Besitz besitzt. Nahrung, Kleidung, Dach überm Kopf. Medizinische Versorgung. Spiele. Danach kommt nur noch Tand. Und den soll haben, wer will. Und wer den will, hat ein Interesse daran, daß andere zumindest das Andere haben.

Die Zeiten sind nicht rosig, keine Frage. Und das werden sie niemals sein. Dennoch gibt es deutlich weniger rosige Orte und / oder Zeiten zu leben als Deutschland 2013. Und was die post-IW-Ära für unseren Planeten bereithält, wer weiß das schon? Ein Huhn sicher nicht  Smile
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