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Autor Thema: Bundestagswahl 2013  (Gelesen 34255 mal)
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Sauron
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« am: 02.10.2013 07:46:14 »

Bezüglich Steuerverschwendung musst du dir doch nur die jährlichen Berichte des Steuerzahlerbundes anschauen (ein paar Beispiele). Es ist wohl schwer möglich, die Verschwendung komplett auf 0 zu fahren, aber Verbesserungspotenzial ist bis dahin reichlich vorhanden. Ich finde auch, daß zumindest Anstrengungen unternommen werden sollten, bevor wieder an der Steuerschraube gedreht wird, aber das Drehen ist halt bequemer. Immerhin sind die Steuereinnahmen so hoch wie nie, trotzdem soll mehr her.
Vor Jahren wurde die Vermögenssteuer abgeschafft, weil sie aufgrund der Bürokratie zu wenig Ertrag brachte, nun will die SPD sie wieder einführen. Was hat sich denn bezüglich Bürokratie seit Abschaffung geändert?

Die Steuerhinterziehung wurde vor allem mit gekauften CD bekämpft, weil eben auch einfach, die Betriebsprüfungsdichte ist eher mau. Kleinstbetriebe haben über 100 Jahre Zeit, um mal in den Genuss einer Prüfung zu kommen. Werden aber mal mehr Steuerfahnder eingestellt? Nö, eher im Gegenteil.

Für dich sind das alles Peanuts (z.B. die 7% am Steueraufkommen bei den Subventionen). Wenn man schon so anfängt und alles als unwichtigen Kleinkram abtut, sollte man doch gleich mit der großen Kelle anrühren, Mehrwertsteuer auf 25%, bei der Mineralölsteuer geht sicher auch noch was und bei vielen anderen Steuern ebenso Smile

Solange nicht einmal der enrsthafte Versuch unternommen wird, in diesen Bereichen etwas zu ändern, sind Steuererhöhungen überflüssig. Denn wenn der Bedarf nach mehr Geld vorhanden wäre, könnte man sich ja auch ein bißchen anstrengen.

BTW, deine Peanuts hätte ich gerne auf dem Konto, da könnten noch meine Urenkel sorgenfrei von leben...
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DerBademeister

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« am: 02.10.2013 16:37:30 »

Die Staatsquote liegt Heute 2 % unter dem Niveau des Jahres 2000 Sauron, d.h. der Staat nimmt Heute nicht "so viele Steuern ein wie nie", sondern ca. 50 Milliarden weniger als er es würde wenn es die diversen Entlastungen für Großunternehmen und die Reichsten der Reichen nicht gegeben hätte. Nur ein Beispiel: Der Spitzensteuersatz der Einkommenssteuer liegt Heute bei 42 % bzw. bei 45 % für hohe Einkommen über 250.000 Euro p.a., während er unter dem neoliberalen Vordenker Helmut Kohl noch bei 56 %, nach der Einheit dann bei 53 % lag. Dieses "mehr als nie" basiert auf dem bewussten Ignorieren des BIP-Wachstums und der Inflation und ist deshalb eine belanglose Milchmädchenrechnung, was auch jeder der Mietmäuler weiß die diese Propaganda aus ihren bankenfinanzierten Wirtschaftsinstituten den Normalbürgern ohne VWL-Grundwissen immer und immer wieder in den Schädel hämmern.

Das Gleiche gilt übrigens für das größte Propagandastück welches Du hier leider nachbetest, Deutschland ginge es wegen Hartz IV gut - aber das zu zerlegen würde hier jetzt zu weit führen. Vielleicht ein andernmal.

Mit Sicherheit gibt es Verschwendung von Steuergeldern wie wir sie gerade bei Großprojekten immer wieder in schockierender Weise erleben - siehe S21, Airport Berlin, Elbphilharmonie Hamburg. Diese sind das Resultat politischer Korruption und mangelhafter Transparenz, aber auch mangelhafter Leistungsfähigkeit (Personalmangel) der Verwaltung. Wenn, wie es mir persönlich bekannt ist, in einem Baudezernat in München Heute 7 Mitarbeiter den Job machen müssen den früher 60 (!) gemacht haben, dann brauchen wir uns nicht wundern dass der Staat als größter Bauinvestor nach Strich und Faden verarscht und ausgenommen wird von privaten Bauträgern wie z.B. Hochtief bei der Elbphilharmonie - das Personal zur Kontrolle dieser windigen Branche wurde im Zuge der neoliberalen "Weniger Staat!" Ideologie eben weggespart - und wie fast immer bei dieser unausgegorenen Ideologie führt das nicht zu den versprochenen Einsparungen sondern zu Mehrausgaben durch ausufernde Korruption und Misswirtschaft.

Was die politische Korruption angeht so ist Deutschland nicht umsonst das einzige Industrieland welches sich beharrlich weigert die UN-Antikorruptionsrichtlinie zu verabschieden die wir mitunterschrieben haben vor nunmehr einer Dekade. In einem Land in dem es nach dem Willen von CDU, CSU, Grünen, SPD und der ehemaligen FDP weiterhin legal bleiben muss Abgeordnete bestechen zu dürfen brauchen wir uns über solche verschwenderischen Projekte nicht wundern.

Doch warum muss es ein entweder oder sein?

Wir könnten doch gleichzeitig die Steuerverschwendung angehen wie wir die Steuerhinterziehung angehen können und die strukturelle Falschbesteuerung in der Fläche - denn die Mittelklasse zahlt in unserem Lande immer mehr, während die Reichsten immer weniger zahlen obwohl sie die öffentliche Infrastruktur zum Anwachsen ihres enormen Wohlstandes in Anspruch nehmen wie niemand sonst. Wenn wir diese Dinge angehen dann ist auch wieder genug Geld im Säckel der Kommunen um die immer mehr auseinanderfallende Flächeninfrastruktur (Straßen, Bahnen, Brücken, Schulen, Krankenhäuser, Büchereien, Schwimmbäder etc.) wieder auf Vordermann zu bringen und gleichzeitig die hart arbeitende Mittelschicht zu entlasten. Wer wie Herr Piech gerade 300 Millionen Euro an Dividendenzahlungen als VW-Anteilseigner für das letzte Geschäftsjahr eingesackt hat, der kann es auch vertragen wenn die zahllosen Steuerentlastungen von denen seine Schicht in den letzten 15 Jahren profitiert hat wieder rückgängig gemacht werden.
« Letzte Änderung: 02.10.2013 16:55:13 von DerBademeister » Gespeichert

Striddl

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« am: 02.10.2013 17:48:00 »

sauron, du unterstellst dem staat ständig er würde keine ernsthaften versuche unternehmen etwas in diesen bereichen zu ändern. aber gerade bei der steuerhinterziehung ist das anerkannterweise einfach falsch. du musst nur mal die gesetzeslage von heute und von vor 10 jahren vergleichen. da hat sich deutlich was getan, so dass manche im gegenzug sogar schon steuersenkungen fordern (weil die bisherige, nachsichtige steuerfahndung ja einem steuernachlas gleich kommt, welcher nun nicht mehr besteht).

zum thema verschwendungen frage ich mich schlichtweg was du da genau erwartest. wie soll man denn gesetzlich gegen inkompetenz von amtsträgern und beamten vorgehen? zumal ja unsere gesetzgeber selbst oftmals eine inkompetenz an den tag legen die alles in den schatten stellt was ein niederer beamter anrichten könnte. ich sehe also wirklich nicht, wie so etwas wie das drohnendebakel oder die geschichte um den berliner flughafen systematisch zu vermeiden wäre.

gleiches gilt für subventionen: erstens wurde da wie bereits gesagt schon einiges getan in den letzten jahren. und zweitens sind subventionen ja auch nur dann total doof, wenn man nicht selber davon profitiert. in vielen fällen dürften abgeschaffte subventionen im nachhinein 1 zu 1 in die arbeitslosenkasse wandern, wie man ja beispielsweise in der solarbranche wunderbar gesehen hat, nachdem die subventionen dort gekürzt wurden. auch da werden unterm strich sicher keine unsummen übrig bleiben.

ich sehe also beim besten willen nicht, wie man damit den haushalt sanieren sollte.
« Letzte Änderung: 02.10.2013 17:48:46 von Striddl » Gespeichert

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« am: 02.10.2013 23:07:55 »

http://de.wikipedia.org/wiki/Steuerabkommen_Deutschland–Schweiz
Ich sehe das anders. Für mich sieht das so aus, als wenn man nun auf freiwilliger Basis jahrzehnelang versteckt gehortetes Kapital einfach fix nachversteuert und schon ist alles sauber. Was mit diesem Kapital anderweitig verdient wurde und wohin diese Erträge abgeflossen sind, bleibt völlig unklar und kommt mit Sicherheit nicht zur Versteuerung in irgendwelchen Unterlagen zutage geschweige denn dem deutschen Fiskus zugute.
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« am: 02.10.2013 23:13:10 »

Die Bevölkerung wird der SPD Hartz IV niemals verzeihen. Zu Recht.

Das ist doppelt falsch. 1. gibt es sicher nicht gerade kleine Teile der Bevölkerung, die die Hartz Gesetzgebung im Grunde richtig fand/findet und 2. geschieht dieses Nichtverzeihen zu Unrecht.
Es geht nicht um falsch oder richtig. Volkswirtschaftlich betrachtet hin oder her ändert nichts daran, daß Hartz IV der entscheidende Grund für Viele war und ist, die SPD nicht zu wählen. Hartz IV steht für den gesamten Umbau der Sozialgesetzgebung, nicht nur für ALG II. Jeder Hochschulabsolvent, der sich rein sicherhaltshalber arbeitslos meldet, auch wenn er schon einen Job in Aussicht hat, wird mit einer unterhaltsamen Form von staatlicher Schikane konfrontiert. Was im Grunde für richtig empfunden wird, ist, daß jeder gefälligst seinen Beitrag zu leisten hat. Inwiefern du aus dem Wahlergebnis herausliest, das das "Nichtverzeihen" zu Unrecht geschieht... meiner Meinung nach ist das nur deine Meinung.

Und nur darum geht es hier. Das Wahlergebnis ist ein Datum. Darüber kann man reden und unterschiedliche Bewertungen sind möglich. Das Abschneiden der SPD von Hartz abkoppeln zu wollen, klar, kann man machen. Gerne auch doppelt.  Knuddel
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Sauron
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« am: 03.10.2013 06:59:46 »

Du gehst davon aus, daß "die Bevölkerung" die SPD wegen Hartz nicht wählt und das zu recht. "Die Bevölkerung" ist als Wähler für die SPD auch etwas zu groß, soviele haben die SPD nie gewählt, zudem gibt es aus dieser Masse, wie gesagt, nicht wenige, die Hartz als richtig empfinden, daher ist deine Aussage falsch. Ich habe nicht gesagt, daß es nicht ehemalige SPD Wähler gibt, die der SPD Hartz vorwerfen und deswegen nicht wählen, das ist ein Unterschied.
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« am: 03.10.2013 17:30:44 »

Naja Sauron, ich weiß zwar, dass persönliche Erfahrungen kein Maßstab für eine halbwegs objektive Gesamtbeurteilung sind, aber in meinem weiteren Bekanntenkreis gibt es fast auschließlich eher politisch links orientierte Menschen, die, mich eingeschlossen, damals alle Schröder gewählt haben, weil wir geschlossen auf das Schröder vs Kohl Spiel reingefallen sind, und die eben diesen Herrn Schröder Heute, hauptsächlich aufgrund von Hartz Gesetzen und Agenda 2010, als schlechtesten Kanzler erachten, den D-Land jemals hatte, und die weiterhin zu 90% entweder zu den Linken, Gründen oder ins Nichtwählerlager abgewandert sind. Ich komme aus einem klassischen "Rote-Socken-Bildungsbürgertum-Haushalt, mit einer Mutter, die 16 Jahre für die SPD im Kreistag gesessen hat, und selbst sie und viele ihrer alten Parteifreunde, zumindest nach ihrer Aussage, sind inzwischen keine SPD-Wähler mehr.

Aber noch mal kurz was zu den Steuern:
Das eigentliche Problem ist die Struktur des Systems. Die meisten Steuern werden zwar in den Ländern erhoben, gehen dann aber an den Bund und werden über den Länderfinanzausgleich verteilt. Die Kosten für Steuerfahndung und die Finazämter liegt aber bei den Ländern, was zu der Situation führt, dass - vor allem wohlhabende - Bundesländer, die sich um eine konsequente Steuerfahndung bemühen würden, zum einen mehr Kosten aber nichts von den positiven Folgen in Form von Mehreinnahmen hätten und zum anderen als Wirtschaftsstandpunkt im bundesinternen Konkurrenzkampf unattraktiv werden.
Das Ganze führt zu einer eher laxen Steuerkontrolle bei Großvermögen und Industrie - laut Böckler-Stiftung gehen D-Land ca. 50 Milliarden an nicht eingezogenen Steuern flöten (wohl gemerkt: KEINE Hinterziehung im eigentlichen Sinn). Die Zahl ist mit Vorsicht anzusehen, aber im Prinzip liegen sie mit dem Vorwurf richtig.
Was D-Land also mal bräuchte wäre ein tatsächlicher Steuervollzug - keine neuen Steuern und schon gar keine erhöhte Einkommen oder Mehrwertssteuer, die dann im Endeffekt wieder nur die Masse der unteren und mittleren Einkommen wirklich betrifft. Kompetente Steuerpolitik sieht einfach anders aus.
Im Endeffekt überrascht es dann auch nicht mehr das Merkel-Deutschland die EU-Reformen in Bezug auf Geldwäsche und Steuerflucht blockiert.

Verdi.Finanzamt

Ich hab das zwar schonmal im "Was lest ihr gerade" Thread aufgeführt, empfehle es aber hier gerne noch mal, weil es einfach ein unglaublich gut recherchiertes Buch ist.

Nicola Liebert - Steuergerechtigkeit in der Globalisierung
Ihre Doktorarbeit, welche die Grundlage für die Buchveröffentlichung war, hat den Jörg-Hufschmied-Preis 2012 gewonnen.

« Letzte Änderung: 03.10.2013 17:33:02 von Nasobema Lyricum » Gespeichert

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« am: 03.10.2013 19:08:47 »

Die Bevölkerung wird der SPD Hartz IV niemals verzeihen. Zu Recht.

Das ist doppelt falsch. 1. gibt es sicher nicht gerade kleine Teile der Bevölkerung, die die Hartz Gesetzgebung im Grunde richtig fand/findet und 2. geschieht dieses Nichtverzeihen zu Unrecht.
Es geht nicht um falsch oder richtig. Volkswirtschaftlich betrachtet hin oder her ändert nichts daran, daß Hartz IV der entscheidende Grund für Viele war und ist, die SPD nicht zu wählen. Hartz IV steht für den gesamten Umbau der Sozialgesetzgebung, nicht nur für ALG II. Jeder Hochschulabsolvent, der sich rein sicherhaltshalber arbeitslos meldet, auch wenn er schon einen Job in Aussicht hat, wird mit einer unterhaltsamen Form von staatlicher Schikane konfrontiert. Was im Grunde für richtig empfunden wird, ist, daß jeder gefälligst seinen Beitrag zu leisten hat. Inwiefern du aus dem Wahlergebnis herausliest, das das "Nichtverzeihen" zu Unrecht geschieht... meiner Meinung nach ist das nur deine Meinung.

Und nur darum geht es hier. Das Wahlergebnis ist ein Datum. Darüber kann man reden und unterschiedliche Bewertungen sind möglich. Das Abschneiden der SPD von Hartz abkoppeln zu wollen, klar, kann man machen. Gerne auch doppelt.  Knuddel

Wie sollen die 9 Millionen Arbeitslosen und Unterbeschäftigte - das sind 20 % der arbeitsfähigen Bevölkerung - eigentlich ihren "Beitrag" leisten wenn schlicht und ergreifend keine oder nicht annähernd genug Arbeit für sie da ist? Dieser Widerspruch will den neoliberalen "Sozialschmarotzer"-Hassern einfach nicht in den Schädel. Wir haben drei Millionen offizielle Arbeitslose, zwei Millionen weitere mit Statistiktricks und Maßnahmen verschleierte Arbeitslose und zusätzlich vier Millionen Unterbeschäftigte deren Wochenarbeitszeit viel zu niedrig ist um davon zu leben. Dieser Nachfrage von neun Millionen Arbeitssuchenden stehen seit längerer Zeit weniger als eine Million freie Stellen zur Verfügung. Selbst bei theoretisch optimaler Vermittlung aller Arbeitsplätze kann nur jeder zehnte Arbeitssuchende versorgt werden.

Da der Staat keine Arbeit aus dem Nichts kreieren kann (die DDR hat das versucht mit ihrem Recht auf Arbeit und ist an die Wand gefahren) müssen wir unsere Arbeitswelt und die Verteilung von Arbeitszeit unter der arbeitsfähigen Bevölkerung über kurz oder lang radikal ändern - es kann dann nicht länger sein dass manche Menschen 60, 80 oder gar 100 Stunden placken bis zum burnout während Andere gar keine Arbeit haben oder nur so wenige Stunden dass sie nicht davon leben können. Keynes sagte schon vor 80 Jahren die 20 Stunden Woche voraus und er wird Recht behalten, denn Industriearbeitsplätze werden mit zunehmender Automatisierung immer mehr verschwinden und sind durch neu entstandene Dienstleistungsjobs niemals zu ersetzen in der Masse - zumindest nicht wenn es sich um 40+ Stunden Vollzeitjobs handeln muss wie sie seit 60 Jahren nun die Regel sind. Diese Regelarbeitszeit wird in naher Zukunft nicht mehr funktionieren und funktioniert schon Heute nurmehr schlecht als Recht. In absehbarer Zeit werden Roboter die Fabriken und Roboter bauen welche dann Autos bauen. Wozu es früher 100.000 Arbeiter brauchte und Heute nur noch 30.000 braucht, wird es dann nur noch ein paar Tausend Kreative und Verwaltungskräfte benötigen. Die händische Muskelarbeit werden Maschinen vollständig erledigen, so wie sie es Heute schon zu großen Teilen tun.

Als mein Vater vor 20 Jahren technischer Leiter der Druckerei einer Zeitung wurde hatte er 600 Mitarbeiter. Heute arbeiten dort noch 300 und der Output ist höher als damals. Wenn faltbare LCD-Folien serienreif werden und gedrucktes Zeitungspapier ersetzen, wird dieser ganze Industriezweig aussterben. Das ist nur eine Frage der Zeit. Diese Jobs verschwinden und werden niemals wiederkommen.
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Sauron
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« am: 03.10.2013 21:34:48 »

Trotzdem wird die Verteilung der Arbeit nicht funktionieren. Auch nicht mit 20 Stunden/Woche. Gehen wir mal von normal 35-40 Stunden aus, wie willst du vom Einkommen aus 20 Stunden leben? Und gehe jetzt bitte nicht von Großunternemen aus, die sich das wohl durch eine Reduzierung beim Gewinn leisten könnten.

Und wo willst du z.B. die 300 überflüssig gewordenen Drucker einsetzen? Und wo die 70000 Fabrikarbeiter? Selbst wenn die Reduzierung auf 20 Stunden "finanzierbar" wäre, wo die Leute einsetzen?

Wieviel % arbeiten eigentlich 60, 80 oder 100 Stunden/Woche? Ernstgemeinte Frage, gibt es da Zahlen zu?
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Kaiser Willhelm I.


« am: 03.10.2013 22:11:39 »

Zu der Keynes-Gleichung würde ich jeden interessenten mal den Begriff "Bullshit-Jobs" nachschlagen/nachlesen lassen.
Zu jeden 100.000 Fabrikjobs die wir abschaffen, erfinden wir 120.000 Bullshit-Jobs. Dies sind jobs, die gesamtwirtschaftlich gesehen total überflüssig und meisten unproduktiv sind und dabei der menschheit im gesamten nicht weiterhilft. Dazu gehören Überwachung, Marketing, PR, Dienstleistung und besonders Callcenter.
Laut keynes wären wir längst in der 20h Woche, aber viele Verschwörungstheoretiker glauben, dass es den regierungen nicht an einer mit Freizeit strotzenden Bevölkerung gelegen ist. Bodenständige Zeitgenossen und Psychologen gehen da etwas gemäßigter ran und schieben es auf Langeweile, der Mensch brauch was zu tun.

Wir sind ganz weit von der Keynes-Gleichung entfernt. Besonders, da bei der berechnung von der 40 zu 20 stundenwoche er noch davon ausging, dass der Mann damit seine frau und Kinder weiterhin ernähren kann. Währenddessen wurde aber der Job "Hausfrau" fast flächendeckend abgeschafft und die Frauen sind auf den Jobmarkt gedrängt UND TROTZDEM arbeiten wir weiterhin 40 Stunden und sind sogar von den 35 Stunden aus den 90ern abgerückt.
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« am: 03.10.2013 22:34:54 »

richtig-wir sind auf dem Weg von einer Vollbeschäftigungs zu einer Vollerwerbsgesellschaft. Wobei dieser Vollerwerb eben nicht den Lebensunterhalt garantieren muss. Hauptsache arbeiten, nä? weil wer nicht arbeitet ist ja nix wert. Wenn man jetzt bei McDoof in Amiland sieht, dass sogar die Dienstleistungsjobs automatisiert werden, sollte evtl. mal angefangen werden über alternative Gesellschaftsmodelle nachzudenken. Da sieht es aber bei dem seit 30 Jahren zu beobachtenden politischen Reformverhalten in D-Land in Bezug auf eigentlich alles eher schlecht aus und die einzige Partei, die wenigstens ansatzweise in diese Richtung geht, wird erfolgreich als sozialistisches Schreckgespenst dämonisiert und als nicht koalitionsfähig hingestellt.
Aber hey, immerhin haben wir den größten Niedriglohnsektor Europas, jeder fünfte Obdachlose in Europa ist Deutscher (nach der kleinsten angenommen Zahl, die in D-bei 280.000 liegt - gibt auch deutlich höhere Schätzungen) mit dem Hartzsystem etwas, dass erfolgreich Angst und Druck  in den gesamten Arbeitsmarkt injiziert hat und dabei geht es Deutschland gut und das ist ein Grund zur Freude, wie die Mutti so schön fest gestellt hat.
Man sollte übrigens anmerken, dass Hartz IV aus Sicht der Wirtschaft ein voller Erfolg war und damit sollte doch auch klar sein für wen diese Reform gemacht wurde.
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« am: 04.10.2013 17:26:43 »

Ich halte langfristig ein demokratisch-sozialistisch-meritokratisches Gesellschaftssystem mit einem bedingungslosen, garantierten Grundeinkommen für alternativlos - der technologische Fortschritt wird bald eine Gesellschaft wie die Föderation in Star Trek ermöglichen, wo Menschen nicht mehr arbeiten um sich zu ernähren, sondern um sich selbst zu verbessern. Dass der Mensch nicht Hunger und die Peitsche des Sklavenhalters benötigt um hart zu arbeiten wenn er denn tatsächlich an der Arbeit Freude hat beweisen doch gerade unsere Reichen - die haben genug Vermögen um in 100 Lebensaltern die Füße hochzulegen und arbeiten trotzdem viel - aber eben ihren eigenen Interessen nach, ohne den Druck es zu müssen. Diese Art Arbeit ist eben nicht nur Beruf, sondern Berufung und macht eine Freude welche bloße Lohnarbeit niemals bieten kann.

Leider prägt gerade diese privilegierte Gruppe dem Rest der Bevölkerung die misantrope Mär ein dass der Mensch nur durch Zucht und Ordnung erziehbar ist. Dieses kapitalistische System in dem sie 99 % aller Ressourcen absaugen während die restlichen 99 % von den Krümeln leben funktioniert nämlich nur, so lange sie ihre Privilegien der freien Wahl von Arbeit nicht teilen. In einer Gesellschaft mit bedingungslosen Grundeinkommen müssten gerade die miesesten Drecksjobs welche den meisten Wohlstand für die Reichen generieren besonders gut bezahlt werden. Kein Mensch würde mehr für 10 Euro die Stunde bei Aldi Paletten einräumen und die Besitzer dieses Unternehmens (mit einem derzeitigen Privatvermögen von 35 Milliarden (!!!) Euro) müssten sich mit weit kleineren Gewinnmargen bescheiden.

Ich schrieb dass ich so ein System für alternativlos halte. Das ist natürlich nicht ganz richtig - die Alternative ist die korpokratische Diktatur in welche wir uns derzeit bewegen - eine Welt gelenkt von wenigen Megakonzernen und ihren Besitzern. Eine Klassenunterscheidung der Menschen nicht mehr nach verkommenen Kategorien wie Religion, Rasse oder Geschlecht, sondern nach einer ganz kleinen Schicht immer reicher werdender Arbeitgeber, einer schrumpfenden Schicht sich gerade so über Wasser haltender Arbeitnehmer und einer wachsenden Schicht von Unterbeschäftigten und Arbeitslosen die sich durch ein immer dünneres soziales Netz durchschlagen müssen um jeden Tag genug zu essen zu kriegen.
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« am: 05.10.2013 01:11:14 »

Willkommen im 5. Element!(?)
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« am: 05.10.2013 09:20:14 »

Shadowrun kommt mir da eher in den Sinn.
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Moderationsrelevantes ist farblich gekennzeichnet. Der Rest ist persönliche Meinung.
Viel Wissenswertes gibt es in der Icewars-Doku
Fragen oder Kritik? Forenmitteilung an Gray
Für weitere Fragen: wa-na-ka per Forenmitteilung nerven
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« am: 06.10.2013 13:39:28 »

Ich dachte eher an Judge Dredd und die Slums von Megacity One. Die "have mores" in dieser Welt leben in luxuriösen, abgeschirmten Wohntürmen, der Rest im Ghetto.

Solche Gated Communities wie man sie aus den USA und südamerikanischen Ländern kennt sind hier nun auch im Kommen. Die Reichen grenzen sich immer mehr ab, wollen mit der Armut welche sie verursachen nicht konfrontiert werden. Wachdienste und Mauern sorgen für die Sicherheit vor den proles.
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Bingor

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Bingor


« am: 07.10.2013 10:09:16 »

Wir haben zu wenige Jobs? Sehe ich nicht so. Mir würde noch eine ganze Menge einfallen, was alles sinnvolles getan werden könnte ... nur will das niemand bezahlen. Gerade im sozialen Bereich kann man die Mitarbeiter nicht durch automatisierte Roboter ersetzen. Leider ist die Wertschöpfung daraus nur indirekt. Derjenige, der z.B. Jugendlichen auf die richtige Bahn verhilft oder Krankheiten vorbeugt wird daraus keinen direkten Profit ableiten können, auch wenn es volkswirtschaftlich gesehen durchaus profitabel sein mag. Ich würde ja versuchen hier eine Lösung zu finden ... und Jobs stellt dieser Bereich en masse zur Verfügung. Wer würde im Krankenhaus nicht gerne mal 3 Minuten mit der Krankenschwester reden, oder wissen, dass der Opa in der Seniorenresidenz (was ein Wort) nicht nur mal eben gewickelt wird, sondern liebevoll umsorgt.
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Ruhm und Ehre dem, der für die Gerechtigkeit Kämpft.
Schande über den Mächtigen, der Macht mit Recht verwechselt
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« am: 07.10.2013 15:31:25 »

um mal wieder den weg von den zukunftsphilosophien zur aktuellen tagespolitik zu schlagen: der linke flügel der spd ist wieder aufgewacht! wer hätte das gedacht, dass da noch einer lebt.
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/ruf-nach-finanzministerium-spd-rechter-kahrs-veraergert-parteifreunde-a-926418.html

ob nach den koalitionsverhandlungen noch was von den themen der spd übrig ist? die steuererhöhungen sind ja bereits gefallen bevor die verhandlungen überhaupt losgehen.
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« am: 07.10.2013 20:04:48 »

um mal wieder den weg von den zukunftsphilosophien zur aktuellen tagespolitik zu schlagen: der linke flügel der spd ist wieder aufgewacht! wer hätte das gedacht, dass da noch einer lebt.
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/ruf-nach-finanzministerium-spd-rechter-kahrs-veraergert-parteifreunde-a-926418.html

ob nach den koalitionsverhandlungen noch was von den themen der spd übrig ist? die steuererhöhungen sind ja bereits gefallen bevor die verhandlungen überhaupt losgehen.

Es wird vielleicht einen Mindestlohn von 8,50 Euro geben (den die SPD für umsonst mit der Linkspartei hätte beschließen können) - sehr viel mehr aber nicht.

Was dem Judas seine 30 Silberlinge sind den Parteibonzen ihre sechs Ministerposten.

Ich verstehe die Menschen nicht die sich immer noch an der Basis den Arsch aufreißen und ihre Freizeit opfern für zwielichtige Typen wie Gabriel und Steinmeier. Nach den Wahlen klagen sie dann wieder dass nix von den schönen Programmen umgesetzt wird, nur um in vier Jahren dann erneut Plakate zu kleben und sich auf Marktplätzen von enttäuschten Exwählern beleidigen zu lassen.
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« am: 07.10.2013 22:13:16 »

Ente Ente Huhn, ich hab´ nicht viel zu Truhn.

Volkswirtschaftlich betrachtet sieht vieles anders aus als menschlich betrachtet. über irgendwen oder irgendwas zu reden ist vielleicht eventuell was anderes, als von den entscheidungen von irgendwem oder irgendwas im RL ernstlich und faktisch einflusslos betroffen zu sein.

und klar ist jede/r selber schuld, der/die das zulässt. Aufbegehren, ändern... das kann doch jede/r/s, es muß nur gewollt werden. Und wer nicht wollen will, ist selber schuld. 
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« am: 27.11.2013 13:57:56 »

Nun ist es soweit. Die SPD-Mitglieder dürfen entscheiden. Ich bin gespannt.
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