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Autor Thema: Die Krise der VWL  (Gelesen 1532 mal)
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ProfessorX

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Beiträge: 76


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« am: 28.01.2012 14:20:05 »


Was meint ihr dazu?

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,811686,00.html

Also ich persönlich habe einen Bachelor of Science in VWL und Philosophie und einen Master of Science in Applied Economics.

Deswegen würde ich mir auch durchaus mal das Recht herausnehmen zu sagen, dass die gegenwärtigen Krise(n) die VWLer relativ ratlos hinterlassen.
Allerdings muss ich Bachmann Recht geben: Das weltweite Wirtschaftssystem ist äußerst komplex und es braucht sehr viele Jahre intensivsten Studiums, um es einigermaßen zu verstehen/modellieren.
Monokausale Erklärungen sind beliebt, ebenso wie einfache Antworten auf komplexe Fragen. Doch darin liegt auch eine Gefahr: Wir wollen schließlich dass es der Menschheit besser geht als vorher, nicht schlechter.
Da ist bei der gegebenen Komplexität scharfes Nachdenken gefragt.
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Striddl

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Beiträge: 1.608



« am: 28.01.2012 20:48:09 »

[...]
Allerdings muss ich Bachmann Recht geben: Das weltweite Wirtschaftssystem ist äußerst komplex und es braucht sehr viele Jahre intensivsten Studiums, um es einigermaßen zu verstehen/modellieren.[...]
die krise geschieht der vwl ganz recht. was dem bachmann und und der volkswirtschaftslehre insgesamt am meisten fehlt, ist eine ordentliche portion demut, und die einsicht wie viel ihr gesammeltes wissen tatsächlich wert ist. im gegensatz zu den naturwissenschaften, in denen bescheidenheit zum guten umgangston gehört, ist diese eigenschaft unserer wirtschaftselite unbekannt. etwas anderes als sich gegenseitig anzubrüllen, gebetsmühlenartig ihre thesen zu wiederholen und sich selbstgefällig in der aufmerksamkeit der öffentlichkeit zu suhlen kennen die doch gar nicht.


wie auch immer. dieser artikel ist wirklich amüsant.

zitat: "Alle größeren und viele kleine Denkrichtungen, die es gibt, sollten in der Einführungsvorlesung, Mikro- und Makroökonomie vorkommen. "

gut, dehnen wir die einführungsvorlesung auf 3 semester à 20 wochenstunden aus, dann wird das schon was.

weiter im zitat: "Hierzu zählen wir beispielsweise die Neoklassik, Institutionenökonomik, ökologische Ökonomik, systemtheoretische, evolutorische Ansätze und die Verhaltensökonomik. Darüber hinaus ist auch der Blick in die Geschichte des eigenen Faches unabdingbar."

richtig. das ist in etwa der inhalt jedes wirtschaftsstudiums. ich nehme mal an, auch die autoren dieses artikels haben entsprechende vorlesungen dazu gehabt, sonst würden sie wohl kaum darüber schreiben. und falls nicht, dann sollten sie sich vielleicht darüber gedanken machen, ob die uni heidelberg ihrem ruf gerecht wird (offensichtlich nicht, denn von keynesianismus haben die autoren wohl nichts gehört) und ggf woanders studieren. also wo ist denn nun das problem?
für mich hört sich das sehr nach einem schrei nach aufmerksamkeit einiger studenten an, die sich ob der hilflosigkeit bzgl der aktuellen wirtschaftssituation in einer identitätskrise befinden. kann man ja auch nachvollziehen. da ist man ausgezogen die welt zu retten, studiert politische ökonomie, hat sich bereits darauf gefreut der weisheit letzte instanz zu verkörpern, ...und jetzt weiß man auf einmal nicht mehr weiter. das ist aber auch unfair! herzlich willkommen in der vwl: selbstgefällig und nutzlos seit anno dazumal.

dass die vwl gerade mal wieder dasteht wie der ochs vorm tor, ist auch keine überraschende tatsache. das ist doch vielmehr ein dauerzustand, der derzeit einfach etwas stärker zutage tritt. um nochmal die naturwissenschaften zum vergleich heranzuziehen: dort hat man begriffen, dass es die weltformel nicht gibt. in der vwl sucht man immer noch nach einer möglichkeit, gott und die welt mit einem minimalmodell zu erklären.
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Zitat
“That's the beauty of argument. If you argue correctly, you're never wrong.” - Nick Naylor
ProfessorX

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Beiträge: 76


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« am: 06.02.2012 12:25:16 »

in der vwl sucht man immer noch nach einer möglichkeit, gott und die welt mit einem minimalmodell zu erklären.

Das stimmt. Wenn ich zB meinem Prof für Behavioural & Experimental Economics darauf hinweise dass Mikromodelle zwangsweise komplexer und situational verschieden sein müssen renn ich immer gegen eine Wand. Nein, dann bleiben wir lieber bei dem einfachen aber schlechten Modell, das zur Prognose kaum taugt.

Es wird mehr Komplexität geben müssen, ich denke da auch an Erweiterungen der stochastisch-dynamischen Input-Output-Modelle, mit nem ordentlich modellierten Finanzsektor(en)!
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little_noob
Gast
« am: 25.02.2012 07:55:02 »

Zitat
Also ich persönlich habe einen Bachelor of Science in VWL und Philosophie und einen Master of Science in Applied Economics.

Deswegen würde ich mir auch durchaus mal das Recht herausnehmen zu sagen, dass die gegenwärtigen Krise(n) die VWLer relativ ratlos hinterlassen.
Allerdings muss ich Bachmann Recht geben: Das weltweite Wirtschaftssystem ist äußerst komplex und es braucht sehr viele Jahre intensivsten Studiums, um es einigermaßen zu verstehen/modellieren.
Monokausale Erklärungen sind beliebt, ebenso wie einfache Antworten auf komplexe Fragen. Doch darin liegt auch eine Gefahr: Wir wollen schließlich dass es der Menschheit besser geht als vorher, nicht schlechter.
Da ist bei der gegebenen Komplexität scharfes Nachdenken gefragt.

moin zusammen,

entschuldige wenn ich gleich mit einer gegenfrage anfange: arbeitest du in der "freien wirtschaft" oder lehrst du an einer uni?

meiner meinung nach ist der artikel von prof. bachmann gar nicht so verkehrt. in der schule/uni wird eben alles noch sehr neutral und, naja, ich sag mal einfach "lieb und nett" vermittelt.
sobald man in ein größeres unternehmen eintritt wird man sich sehr schnell in einer strengen organisation wiederfinden die nach den eigenen regeln, oder besser philosophien, arbeitet.
in persönlichen zielgesprächen wird die hirachie eingebleut und das belohnungssystem mit den alljährlichen tantiemen/bonus system erläutert.

ab da fängt man an die ersten kompromisse zwischen dem gelernten und den "neuen" erkenntnissen zu schließen:

- mein chef hat ein boot/finca auf malle, hm, mal sehen wie der das macht: arbeit weit wegschieben (ok, arbeiten delegieren), bei anderen sparen (ist am jahresende mehr für mich da), scheiße einkaufen und die fähige arbeiterschaft gold draus machen lassen, berechtigte lohnerhöhungen grundsätzlich mit unternehmensproblemen abwiegeln, gute ideen der belegschaft für sich selber nutzen,  etc. etc.

- mein chef lädt mich in sein tolles haus ein. ich bin beeindruckt, alles vom feinsten. da muss ich ihm aber auch mal was bieten können...

- alle anderen führungskräfte sind im golf-club, tennis-club. die frauen können hemmungslos toll shoppen gehen.

- verdammt, wo bekomme ich blos die ganze kohle her um mit im club zu sein..?

wenn man sich nicht an diesem teufelskreis beteiligt wird man niemals erfolgreich werden. ich denke mal das der artikel auch diesen persönlichen aspekt beleuchten soll. wenn alles so weitergeht wie bisher wird sich natürlich auch nichts ändern. die menschen werden mit geld gelockt und verknechten sich in diesem system selbst. wenn schon das selbstherrliche hollywood genügend filme zu diesem thema dreht muss wohl wirklich was drann sein, z.b. wallstreet

bei seiner verhaftung sagte der ex-börsianer Bernard Madoff: mein schneeballsystem ist nur das in klein was der rest der börsenwelt in ganz groß abzieht...

bei der summe an krediten, optionscheinen und weis der kuckuck was es da alles gibt kann einem ja auch nur übel werden. es gibt weit mehr davon als es reale güter auf der ganzen welt gibt. vielleicht suchen die forscher deshalb nach außerirdischen um ihnen ihre ungedeckten kredite anzudrehen? Smile wie kann man da als vwl´er überhaupt noch überlegungen anstellen?

die menschheit schreckt ja selbst vor wahnsinnigen kriegen nicht zurück die einerseits die schundpapiere/währungen in den besiegten ländern verbreiten sollen und zum anderen, das ist noch perverser, der krieg selber eine wirtschaftliche orgie ist...rüstungskonzerne auf der einen seite, medizinische konzerne für prothesen andererseits...

ich habe mich entschieden und bin deshalb ein kleiner malocher, aber dafür mit einem einigermaßen sauberen gewissen. ist ne rein persönliche lebensentscheidung.
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